Der sowjetische Vertreter Wyschinski weigerte sich, in Paris vor dem Sicherheitsrat Fragen über die Berliner Krise zu beantworten. Später erklärte er, Rußland halte nach wie vor die Verhandlungen über Berlin für unzulässig und es werde auch in Zukunft darauf bestehen, diese Frage von der Tagesordnung abzusetzen.

„Der Sicherheitsrat“, schrieb die „New York Times“, „steht vor der Frage, ob die Sowjetunion, um Ziele zu erreichen, die sie auf friedlichem Wege nicht verwirklichen kann, gegenüber den Westmächten Gewalt anwendet oder nicht.“ Jeder weitere Schritt zur Beilegung des Streitfalles werde bessere Erfolgsaussichten haben, wenn er schon jetzt erfolgen würde und nicht erst nach der Beschlußfassung des Sicherheitsrates.

Die Verhandlungen über den Fall Berlin im Sicherheitsrat haben nach Ansicht des UNO-Korrespondenten der französischen Nachrichtenagentur AFP eine Reihe von Überraschungen gebracht. Die meisten Delegationen fragten sich jetzt, wie es, ohne das Gesicht zu verlieren, möglich sein werde, sich aus der Affäre zu ziehen.

Der ehemalige deutsche General von Seydlitz soll mit drei anderen höheren deutschen Offizieren des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ in der Verwaltung des Innern für die Sowjetzone in Berlin-Wilhelmsruh eingetroffen sein, meldete der französisch lizenzierte „Kurier“. General Seydlitz habe die Aufgabe erhalten, die Polizei der Sowjetzone zu reorganisieren.

Die britischen,und amerikanischen Vertreter in der alliierten Luftsicherheitszentrale in Berlin protestierten erneut gegen ein von sowjetischer Seite angekündigtes scharfes Übungsschießen auf Luftziele und gegen Störungsflüge sowjetischer Flugzeuge im Luftkorridor.

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Präsident Truman äußerte auf einer Pressekonferenz, die Weltlage habe sich leicht entspannt, und er sähe günstigere Aussichten für den Frieden. Er sagte, die Haltung der Sowjets habe sich gebessert; denn man könne jetzt etwas leichter mit ihnen reden. Truman teilte weiter mit, seine Berater hätten für das im Juni nächsten Jahres beginnende Haushaltsjahr einen Voranschlag von 23 Mrd. Dollar für die Verteidigungsausgaben angesetzt. Er habe diese jedoch auf 14,4 Mrd. zurückgeschraubt.