Herr Ashberg, der „Bankier der Sowjets“, befaßte sich kürzlich während eines Besuchs in Berlin mit der Frage des Sammeldepots und fuhr dann nach Paris, um, wie es heißt, die russische Delegation bei den Berlin-Verhandlungen zu beraten. Ashberg gehört zu den mit dem Schleier des Geheimnisses umgebenen Gestalten, die, wie es so schön heißt, „hinter den Kulissen die Fäden in der Hand haben“ und „die eigentlichen Drahtzieher“ seien. Das Erstaunliche ist, daß er nur selten Anlaß zu Meldungen und Vermutungen gegeben hat. Die Sowjets unterdrücken offensichtlich alle Nachrichten über ihn, und die außerhalb des sowjetischen Einflußgebietes erschienenen Kommentare lassen wohl eine lebhafte Phantasie der Verfasser erkennen, aber kaum konkrete Tatbestände.

Ashberg war als junger Bankier mit Lenin, Trotzkij und anderen damaligen Emigranten eng verbunden. Seit der bolschewistischen Revolution ist er offenbar im Kreml persona gratissima. Oft ist er in Paris, wo er die Stätten bevorzugt, die man aus der Studentenzeit kennt. Die Pariser Reporter haben aber nie etwas Genaues erfahren können. Immerhin ließen viele Anzeichen erkennen, daß Ashberg schon vor dem Kriege die Politik der Kommunistischen Partei in Frankreich stark beeinflußte. Auf wichtige politische Funktionen deutet ferner seine Tätigkeit nach Bildung des Kominform in den Hauptstädten der Länder „hinter dem Eisernen Vorhang“, vor allem in Prag.

Jetzt soll er also in Berlin gewesen sein und sich mit der Sammeldepot-Angelegenheit befaßt haben. Diese (aus amerikanischen Quellen stammende) Nachricht hat manches für sich. Solche Besprechungen lassen sich bei dem relativ großen Kreis der Beteiligten kaum verheimlichen. Auch liegt nahe, einen Bankier um ein Gutachten zu fragen, was die Sowjets mit dieser „Kriegsbeute“ der Sammeldepot-Aktien anfangen können. Aber darüber hinaus dürften alles nur Vermutungen sein. Völlig nebelhaft sind Mutmaßungen, daß diese Aktien als Waffe im kalten Krieg in Berlin eingesetzt werden sollen und so die Währung der Westzonen „untergraben“ werden soll. Die Kontrolle der Umsätze an den Wertpapierbörsen ist nämlich so scharf und der Markt so eng, daß kaum in Sammeldepots aufbewahrt gewesene Papiere im Westen verkauft werden können. Mit Recht wurden aber diese Gerüchte zum Anlaß für die Forderung genommen, das Wertpapierbereinigungsgesetz endlich fertigzustellen, damit solche Gefahren nie aufkommen können. Wenn die Reise von Ashberg nach Berlin dieses Ergebnis auslesen sollte, also endlich das Bereinigungsgesetz käme, dann wäre sie sehr nützlich gewesen. W. G.