Oficomex, das Außenhandelsamt der französischen Zone in Baden-Baden, hat seine Monopolstellung zugunsten einer trizonalen Außenhandelsregelung aufgeben müssen. Nicht nur der Im- und Exporthandel dieser Zone atmet auf, auch die Wirtschaft der Doppelzone hat Grund zu ehrlicher Freude. Die bisher. in der französischen Zone von Oficomex (Office du Commerce Exterieur) durchgeführten Außenhandelsoperationen werden nunmehr von der JEIA wahrgenommen. In das JEIA-Direktorium treten zwei französische Vertreter, darunter der bisherige Direktor des Oficomex, Arnal, ein und nach Baden-Baden, werden britische und amerikanische Vertreter entsandt. Unter allmählicher Überleitung – die bereits laufenden Verträge werden nicht unterbrochen – soll das JEIA-Verfahren dort eingeführt werden und bis zum Jahresende voll in Kraft treten. In dem offiziellen Kommuniqué heißt es weiter, daß „die Militärgouverneure in den nicht von der JEIA zu vertretenden wirtschaftlichen Belangen ein Konsultativverfahrenausarbeiten werden, um die wirtschaftlichen Richtlinien in den drei Westzonen aufeinander abzustimmen“. Damit ist also angedeutet, daß die westlichen Besatzungsmächte endlich nach gemeinsamen Formeln in der Wirtschaftsverwaltung ihrer Zonen streben wollen.

Die Klagen der bizonalen Wirtschaft über die Joint Export Import Agency sind nie verstummt. Aber die JEIA stand Rede und Antwort und hat immer wieder versucht, im Rahmen ihrer – strengen – Anweisungen den deutschen Vorstellungen gerecht zu werden. Ein neues Exportverfahren ist jetzt in Sicht.

Die Klagen der Wirtschaft der französischen Zone über Oficomex verhallten dagegen bisher ungehört. So ist bis heute noch keine klare Rechnungslegung erfolgt. Arnal konnte keine Auskunft geben, wie hoch die Ausfuhr von elektrischem Strom aus der französischen Zone oder wie hoch die Devisenbestände des Oficomex am Tage der Fusion mit der JEIA gewesen seien. Ebensowenig wissen deutsche Exporteure in der französischen Zone, welchen Dollarpreis sie tatsächlich erzielt haben, ob aus dem hohen Anteil Frankreichs am Export der Zone (83 v. H. für 1947) nicht größere Posten einer devisenbringenden Wiederausfuhr dienten und wann Oficomex die deutschen Exporte zu bezahlen gedenkt; denn nicht zuletzt haben die Klagen über die langsame Zahlungsweise von Oficomex zum Nachlassen des Exportwillens beigetragen.

Arnal gab Auskunft darüber, wie hoch die Ein- und Ausfuhren in oder aus der französischen Zone von 1945 bis heute gewesen sind: Import 1945/46 für 46 Mill. 8, Ausfuhr für 64,5 Mill. Einfuhr 1947 für 135 Mill. und Ausfuhr für 124 Mill. Import in den ersten 9 Monaten 1948 für 150 Mill. (zusätzlich 11 Mill. $ Marshall-Hilfe) und Export für 85 Mill. Die Ausfuhr verteilte sich 1947 auf Kohle zu 14 v. H., Chemikalien 10 v. H., Holz 24 v. H., Metalle 13 v. H., Fertigwaren 7 v. H., Textilien 7 v. H., Maschinen und Uhren 10 v. H., Lederwaren 1,5 v. H. und sonstiges 13,5 v. H. An den Importen waren beteiligt! Lebensmittel zu 47 v. H., Rohstoffe zu 6 v. H., Fertigerzeugnisse zu 9 v. H., Chemikalien 4 v. H., Rohstoffe für Textilien 3,5 v. H., Saatgut 5 v. H., Mineralöle 2,5 v. H. und sonstiges 23 v. H. Damit ist aber noch nicht ausgesagt, wie hoch im Einzelfall die Dollarerlöse waren und welche Aufgabe die Posten „Sonstiges“ hatten. Deutsche Berechnungen besagen, daß der Dollarerlös der französischen Zone geringer war als bei vergleichbaren Waren der Doppelzone.

Aber vergessen wir die alten Sünden. Ein neuer Anfang ist gemacht, wenn auch die französische Zone mit Recht feststellt, daß der Vorsprung der Doppelzone im Export am besten mit einem Vorgaberennen zu vergleichen ist, in dem der Stärkere nicht aufzuholen, sondern weniger, zu laufen hat als der Schwächere. Hoffen wir, daß Frankreich in seiner Zone die engherzigen Bewirtschaftungsbestimmungen abbauen wird, daß es die nicht über den offiziellen Export laufenden Direktverträge Zwischen französischen Industriellen und deutschen Kaufleuten, die teilweise unter Androhung von Sequestierungen zustande kamen, annullieren und nicht zuletzt auch eine Geldpolitik betreiben wird, die die D-Mark nicht mehr unterhöhlt. –n.