Wir sind heute versammelt, um aus der Geschichte zu lernen!“ – diese Worte sagte der Schweizer Ernst v. Schenck, ein Mitglied der internationalen Gruppe der europäischen Föderalisten, in seiner Rede auf der Kundgebung, die in Münster während der Gedenktage des Friedensschlusses von 1648 stattfand. Ein klarer und einfacher Satz, der, weil er am Anfang der Kundgebung stand, viel hoffen ließ für ihren weiteren Verlauf. Denn wo man Geschichte mit rechten Augen sieht, muß es sich erweisen, daß Krieg noch nie ein gutes Mittel war, wirkliche Lösungen zu erreichen. Erweist sich dies nicht, so ist eine Friedenskundgebung eine verzweifelte Sache und der Glaube an einen dauerhaften Frieden eine Utopie. In den Reden von Ernst v. Schenck, Karl Severing und Helene Weber, gehalten vor über 15 000 Menschen, steckte viel von Glauben, Hoffnung und Wünschen, weniger an handgreif – lieber, dringend nötiger Realität. So glichen ihre Worte mehr einem verzweifelten Hilferuf als einem festen Punkt, an den man sich hätte halten können. Von neuen Menschen, die erzogen werden müßten, war die Rede. Von der Freiheit, die das höchste Gut dieses neuen Menschen sei. Man hörte von dem, was dieser neue Mensch alles nicht tun dürfe (und es war dies fast alles, was er bisher getan hat), aber was er tun sollte, davon wurde nicht gesprochen. Nun standen 15 000 Menschen auf dem Domplatz in Münster, bereit, etwas für den Frieden zu tun, bereit, den Rednern zu folgen, bereit, sich zu sondern. Die Redner priesen eine europäische Union der Zukunft. Aber –: „Wir wollen endlich aufhören, nur zu hoffen – wir wollen handeln“ – dies hat der Holländer Jef Last vor wenigen Monaten in Hamburg gesagt. Die Reden, die in Münster auf der Friedenskundgebung gehalten wurden, gingen über die Hoffnung nicht hinaus. P. H.