DIE ZEIT

Der Staat als Erzieher

Im neunzehnten Jahrhundert glaubte man an das freie Spiel der Kräfte. Man vertraute darauf, daß die Freiheit, gerade auch in der Wirtschaft, der Schlüssel zum „größten Glück der größten Zahl“ sein müsse.

Holland meint Öl

Während die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Vorgänge in Berlin konzentriert ist und die Wirtschaft mit Lohn-, Preis- und Kreditproblemen, den Nachwehen der Währungsreform, ringt, wird in einigen alliierten Konferenzzimmern ohne viel Aufhebens über die deutsche Westgrenze verhandelt.

Umworben und gescholten

Der Satz, man könne den Frieden nur wahren, indem man den Krieg vorbereitet, ist ein gefährlicher Satz, gefährlich darum, weil man so leicht ein Opfer der List dieser Idee wird, die unversehens eine Motivierung in ein Motiv verwandelt und unbemerkt die Strategen an die Stelle der Politiker schiebt.

Veralteter Grenzstreit

Es ist ein schönes Zeichen eines wiedererwachten Staatsgefühls bei den Deutschen, daß die Wahlen in Südschleswig der dänisch gesonnenen Südschleswigschen Vereinigung einen so geringen Erfolg gebracht haben.

Berlin vor dem Winter

Der Winter wird hart werden, aber wir werden im bezwingen“, so heißt es in allen Erklärungen, die in diesen Tagen in Berlin von den verantwortlichen Gouverneuren der Westmächte an die Bevölkerung ausgegeben werden Das klingt wohlbekannt, Ein gleiches Durchhalteprogramm, freilich noch schärfer formuliert, war der schon brennenden Stadt von den Endsiegstrategen Hitlers immer wieder vorgetragen worden, und da die Skepsis in Berlin zu Hause ist, beruhigt sich gerade das Berliner Naturell nicht leicht mit solchen Bekundungen, ob sie nun von den Vertretern der westlichen Mächte oder den demokratischen Politikern Berlins ausgesprochen werden.

Lieber tot als an die Polen ausgeliefert

Um dagegen zu protestieren, daß immer noch Internierte an Polen ausgeliefert werden, sind die Insassen des Lagers X in Fallingbostel in Hungerstreik getreten, – nachdem zwei Gefangene auf die Nachricht, ihr Abtransport stünde bevor, sich umgebracht haben, während ein dritter erfolglos einen Selbstmordversuch unternahm.

Richard Stokes

Groß – breit – gelassen, aber impulsiv, wenn es um Recht und Menschlichkeit geht; scharf und energisch, oft brüsk und doch voll souveränen Humors und jener bewundernswerten angelsächsischen Eigenschaft teilhaftig: die komplizierten Dinge einfach sehen und darstellen zu können, so steht Richard Stokes, ein Mensch zwischen den Politikern unserer Zeit.

WOCHENÜBERSICHT

Im Weltsicherheitsrat scheiterte ein letzter Versuch die Berliner Krise durch einen Kompromiß zwischen den Westmächten und der Sowjetunion beizulegen, an dem achtundzwanzigsten Veto, das von Wyschinski gegen die Annahme einer von den „Neutralen“ ausgearbeiteten Resolution ausgesprochen wurde.

Wyschinskis „njet“

Wyschinskis in Moskau die Fahnen der UNO-Mitgliedsstaaten anläßlich des dreijährigen Jubiläums der Vereinten Nationen noch wehten Und man in der Welt glaubte, der Kreml werde vielleicht doch noch entschließen, die Resolution des Sicherheitsrates über Berlin zu akzeptieren, die peinlichst jeden Prestigeverlust der Sowjets vermied, sprach Wyschinski im Palais Chaillot das 28.

Friede – nur eine Hoffnung?

Wir sind heute versammelt, um aus der Geschichte zu lernen!“ – diese Worte sagte der Schweizer Ernst v. Schenck, ein Mitglied der internationalen Gruppe der europäischen Föderalisten, in seiner Rede auf der Kundgebung, die in Münster während der Gedenktage des Friedensschlusses von 1648 stattfand.

„Neuartig und kühn“

Eine Politik, „neuartig und kühn“, hat im Kieler Landtag ein Vertreter der Regierungspartei, der Abgeordnete Hundt, proklamiert.

Per Bahn nach Zürich

Mehrmals, wenigstens inoffiziell, angekündigt und offiziell erwartet – auf deutscher Seite nämlich –, nahm der Besuch des Administrators Hoffman in Frankfurt, als er am Montag nun doch zustande kam, einen von den Repräsentanten der deutschen Zentralstellen als wenig befriedigend empfundenen Verlauf.

Umbau des Commonwealth

Der Engländer hat einen starken Sinn für Tatsachen und eine unerreichte Fähigkeit, sich ihnen anzupassen. Die Geschichte der Wandlung vom „British Empire“ zum „Commonwealth of nations“ beweist es.

Abend im Tiergarten

Wenn es des Abends im Tiergarten dämmert, steige ich auf den Felsen, der inmitten des weiten Parks liegt, und horche in die Gehege hinab.

Die Fremde

Ein junges englisches Mädchen kam am Allerseelentag in Aachen zum alten katholischen Friedhof. Sie war erst seit dem Vorabend in der Stadt, in welcher sie, wie sie erzählte, keinen Lebenden und keinen Toten kannte.

Die Stimme aus dem Äther

In allen Ländern hatten vor einigen JahrzehntenIngenieure Funktürme errichtet, und von den Gittermasten jagten die verschlüsselten Sprüche von Kontinent zu Kontinent.

Flucht vor Gesichtern

Robert Pilchowski, in Luzern geboren, verlebte seine Kindheit in der Schweiz. Dreizehn Jahre alt, ging er nach Niederländisch-Indien, wo er auf Java als Teepflanzer tätig war.

Korea Land der Morgenstille

Kürzlich berichtete die russische „Prawda“ und das Regierungsorgan „Iswestija“ in ihren Leitartikeln über die, Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zur neuen volksdemokratischen Republik Korea.

Stockholm: Raskolnikow als Oper

AIso doch: die Oper geht an Dostojewskijs ** „Schuld und Sühne“ nicht vorüber, und der berühmte Roman, vor kurzem erst für eine Hamburger Bühne dramatisiert, ordnet sich wieder neuen Gesetzen unter: zwei Sutermeistern sei es gedankt.

Wege und Abwege seelischer Hilfe

Im Gegensatz zur rein wissenschaftlichen Psychologie ist die praktische ganz und gar auf Hilfe in der Not eingestellt. Die Not ist heute ein uferlos weites Meer.

Äschylos - neu

Die „Perser“ des Äschylos, geschrieben aus der Distanz des großen und echten Dramatikers, ragen mit brennender Aktualität in unsere Gegenwart hinein.

Der Zauberer Gottes

Hätte der heute 68jährige Paul Fechter, durch Jahrzehnte der wohl menschlich nobelste unter den Berliner Theaterkritikern, seine mit zehnjähriger Verspätung uraufgeführte Komödie „Der Zauberer Gottes“ selbst zu rezensieren, er, könnte zu Recht mit einem Anflug seiner stets liebenswürdigen Ironie einen philosophischen Exkurs voranstellen über die Wechselfälle, mit denen der zeitgenössische Dichter – in Deutschland – sich zu plagen hat.

Notizen

Die Kunst- und Kulturzeitschrift „Prisma“, die seit knapp zwei Jahren in dem Münchner Verlag Kurt Desch erscheint, wechselt auf Grund eines Prioritätsstreits mit einer gleichnamigen naturkundlichen Schweizer Zeitschrift ihren Namen.

Revue des guten Willens

Die „Moralische Aufrüstung“ kannte man in Deutschland bisher vornehmlich durch Berichte aus Caux. Jetzt ist auf Einladung mehrerer deutscher Landesregierungen zum ersten Male eine Spielschar der „Moralischen Aufrüstung“ selbst mit Dr.

Ashberg taucht auf

Herr Ashberg, der „Bankier der Sowjets“, befaßte sich kürzlich während eines Besuchs in Berlin mit der Frage des Sammeldepots und fuhr dann nach Paris, um, wie es heißt, die russische Delegation bei den Berlin-Verhandlungen zu beraten.

Engpaß Strom

Der überraschend günstigen Entwicklung der Produktion in Westdeutschland seit der Währungsreform sind leider Grenzen gezogen, denen man sich zum Teil beängstigend rasch nähert.

Europa-Clearing

Es ist schon so, Europa muß ein wenig zu seinem Glück gezwungen; werden. Ohne den wirtschaftlichen Druck, den Washington über die Marshall-Hilfe auf die westeuropäischen Länder auszuüben vermag, wäre das kürzlich in Paris unterzeichnete Abkommen über das europäische Clearing sicherlich nicht so rasch zustande gekommen.

Kurze Wirtschaftsmeldungen

Die Errichtung fachlicher Wirtschaftsstellen, die Rohstoffe kontrollieren und lenken und die Ein- und Ausfuhr überwachen sollen, wurde vom Zweimächte-Kontrollamt genehmigt.

Österreichs Lohn-Experiment

Die österreichische Lohn-Preis-Regelung vom August 1947 sah vor, daß die Gewerkschaften bei einer Erhöhung der Lebenshaltungskosten um mehr als 10 v.

Steuerreform von Grund auf

In unserer Ausgabe vom 14. Oktober haben wir verschiedene Aufsätze zum Thema „Lastenausgleich und Steuerreform“ veröffentlicht, darunter einen Artikel von M.

Wieder Wiener Börse

Das Börsenüberleitungsgesetz vom Juli 1948 und einige Parlamentsnovellen schaffen die Voraussetzungen für die Wiedereröffnung der Wiener Börse, die Anfang November ihre Tätigkeit aufnehmen soll.

Bergbautagung 1948

Die diesjährige Bergbautagung hat der Frage der Stellung des Menschen zur Technik und modernen Volkswirtschaft (Landesbischof Dr.

Ende des Oficomex

Oficomex, das Außenhandelsamt der französischen Zone in Baden-Baden, hat seine Monopolstellung zugunsten einer trizonalen Außenhandelsregelung aufgeben müssen.

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