Mehrmals, wenigstens inoffiziell, angekündigt und offiziell erwartet – auf deutscher Seite nämlich –, nahm der Besuch des Administrators Hoffman in Frankfurt, als er am Montag nun doch zustande kam, einen von den Repräsentanten der deutschen Zentralstellen als wenig befriedigend empfundenen Verlauf. Man hatte an diese erste Aussprache Hoffmans mit den deutschen Sprechern der Bizone Erwartungen geknüpft, die im Hinblick auf die Bedeutung des Themas und wohl auch auf die allgemeine politische Situation, in der das Gespräch stattfinden sollte, nicht unberechtigt erschienen. Oberdirektor Dr. Pünder hatte sich wiederholt um einen direkten Kontakt mit dem Administrator bemüht. Er hatte gehofft, ihm bei dieser Gelegenheit eine seit langem vorbereitete Denkschrift zur Demontagefrage persönlich überreichen und erläutern zu können. Er glaubte, Gelegenheit, zu einer der Wichtigkeit des vielschichtigen Themas angemessenen Aussprache zu erhalten. Man wollte Administrator Hoffman nach Köln und auch ins Ruhrgebiet führen, damit er dort, im Zentrum des Industriegebiets, einprägsame Eindrücke gewinne, wie sie uns nur der Augenschein vermitteln kann.

Es kam anders. Ganze vierzig Minuten hatte man auf amerikanischer Seite für dieses Gespräch mit den deutschen Sprechern der Bizone übrig. Alle anderen Programmpunkte, einschließlich der Fahrt ins Ruhrgebiet, wurden gestrichen. Zugegeben: die deutschen ERP-Interessen werden nach der zur Zeit noch geltenden Rechtslage von den Alliierten wahrgenommen und – es sei gern zugestanden – sie tun es, wenigstens in Paris, in der Regel mit großer Entschiedenheit zu unserem Vorteil. Aber das ist – die Spielregeln der diplomatischen Courtoisie leben allmählich doch wieder auf – kein Grund, den offiziellen deutschen Sprechern der Bizone eine klärendes und das heißt hier: ein ausreichendes Gespräch zu verweigern.

Dr. Pünder hat aus der Absage die Konsequenz gezogen. Demonstrativ fuhr er knappe drei Stunden, ehe Hoffman in Frankfurt eintraf, mit dem Direktor der Verwaltung für Finanzen in die Schweiz und ließ seine Ansprache an den Administrator von seinem Vertreter verlesen. Kein dramatischer. aber doch ein wirkungsvoller Aktschluß. Der Oberdirektor läßt sich entschuldigen, er ist per Bahn nach Zürich. Da es jedoch nicht der Schluß des fünften Aktes war, so besteht Hoffnung auf eine freundlichere Wendung. Auch der Besiegte hat Anspruch, ernst genommen zu werden. R. S.