Neuer Sutermeister uraufgeführt

AIso doch: die Oper geht an Dostojewskijs ** „Schuld und Sühne“ nicht vorüber, und der berühmte Roman, vor kurzem erst für eine Hamburger Bühne dramatisiert, ordnet sich wieder neuen Gesetzen unter: zwei Sutermeistern sei es gedankt. – Peter Sutermeister verbindet in seiner kunstreichen Bearbeitung des Stoffes souveräne Willkür mit psychologischem Geschmack. Und Heinrich Sutermeister, dem Komponisten, ist ein großer Wurf gelungen.

Schon in „Romeo und Julia“ und in der „Zauberinsel“ vermochte die leuchtende eigene Art dieses Musikers zu überzeugen. Hier, im „Raskolnikow“, beherrscht der Chor, oft von einem zweiten Orchester hinter der Bühne gestützt, die Szenen Ob es das gesprochene Wort ist, das verdeutlicht, während die Musik verstummt, ob die Visionen des „anderen Ich“ Raskolnikows Dolmetsche werden oder ob in weitausladenden Zwischenaktspielen das Tosen des Klangkörpers ausbricht: die Persönlichkeit des berühmten Schweizer Komponisten blendet überall auf, und man kann sich kaum einer Faszination entziehen, zumal bei der Uraufführung zu Stockholm auch im Bühnenbild, zumal in der einzigartigen Perspektive der hohen Kirchenkerzen, ein hoher Aufwand an Einfall und Kunstkraft geboten wird, die der Stockholmer Oper alle Ehre manchen.

Ihr Chef, Sandberg, ist der Übersetzer, er legte den Dirigentenstab diesmal in die Hände eines russischen Milieu-Spezialisten: Issay Dobrowew. Einar Beyron, Schwedens bedeutendster Bariton, ist Raskolnikow Ein exklusives Auditorium erteilt seine Zustimmung; eine illustre Angelegenheit, die großen Eindruck hinterließ, den Eindruck wirklicher Sutermeisterschaft...

Gerhard Krause