Der Engländer hat einen starken Sinn für Tatsachen und eine unerreichte Fähigkeit, sich ihnen anzupassen. Die Geschichte der Wandlung vom „British Empire“ zum „Commonwealth of nations“ beweist es. Und die Formulierung von „unserer Bruderschaft von Nationen“, mit der der englische König am 11. Oktober seine überseeischen Gäste begrüßte, war die herzlichste und sicherlich eleganteste, die in einem Augenblick denkbar war, in dem zum erstenmal in der Geschichte drei Asiaten als gleichberechtigte, selbständige Partner an einer Konferenz der britischen Völkerfamilie teilnahmen – nämlich die Vertreter Indiens, Pakistans und Ceylons als der drei neuen Dominien. Ihr Erscheinen unter den Kollegen europäischen Blutes symbolisiert den Wandel, der sich in der überseeischen Welt vollzogen hat. Kein Zweifel, daß die inneren Probleme des Commonwealth damit an Vielfalt gewonnen haben. Geschicklichkeit und Elastizität der Londoner Politik standen vor neuen Ansprüchen. So auch die Thematik der Konferenz. Da war die heikle Frage der Vereinbarkeit von Commonwealth-Interessen mit der britischen Mitgliedschaft in einer Westeuropa-Union oder sogar einer Atlantik-Union. Schon der Gedanke der Vereinigten Staaten von Europa litt ja unter den ständigen britischen Bedenken, als Mitglied des überseeischen Commonwealth eben nur halb zu Europa zu gehören. Die jetzige Londoner Konferenz brachte eine wichtige Stichprobe, zum mindesten, soweit es sich um die Reaktion der Dominien auf europäische Bindungen Londons handelte Sie verlief positiv. Das Bewußtsein allgemeiner Gefahr, wie es die Moskauer Politik in der Welt hervorgerufen hat, steigerte auch das Verständnis der Dominien gegenüber den besonderen Verpflichtungen Englands. Das Ergebnis war ein volles Bekenntnis zur britischen Berlin- und Europa-Politik.

Mit Genugtuung verzeichneten die Engländer den offen bekundeten Wunsch Indien, im Commonwealth verbleiben. Von Pakistan konnte man schon vorher sägen, daß sie sich nicht einem Augenblick einer Täuschung über die vitalen Vorteile eines Verbleibens in diesem schützenden Völkerbündnis angesichts einer so unsicheren Weltlage hingegeben hatten.

Je mehr jedoch Indien sich durch praktische Erfahrung aus einem Vorkämpfer der Unabhängigkeit in einen Anhänger des Commonwealth zu verwandeln beginnt, desto mehr erhebt sich eine staatsrechtliche Frage. Es ist die Frage nach der Bindung des Commonwealth an die britische Krone. Indien ist Republik, und Nehru wünscht einstweilen noch die Gefühle seiner Anhänger in dieser Beziehung zu schonen. Kann also eine Form gefunden werden, die es Indien ermöglicht, innerhalb des Commonwealth zu bleiben, ohne seine Eigenschaft als Republik aufgeben zu müssen? Heißt es andererseits nicht an eine der stärksten und traditionell bewährten Grundlagen des Commonwealth rühren, wenn man seine Verankerung in der Krone antastet? Wird das Commonwealth nicht verschwimmende Konturen ’bekommen, wenn man es lediglich zu einer Angelegenheit „assoziierter“ Mächte macht, um auch diesen ebenfalls in Betracht gezogenen Ausweg zu erwähnen? Bezahlt man nicht, an Substanz, was man an Elastizität gewinnt? Dies alles sind Fragen, die, obwohl sie nicht auf der offiziellen Tagesordnung standen, die Londoner Gespräche um so intensiver erfüllten, als sie gerade zu diesem Zeitpunkt noch aus ganz anderer Richtung, nämlich von Irland her gestellt wurden. Die irische Regierung hat ihre Absicht wissen lassen, die „Akte über die auswärtigen Beziehungen“ von 1936 und damit das gegenwärtige Fundament der Beziehungen zu England zu kündigen. Der irische Verteidigungsminister hat, als er in einer Pressekonferenz den Wunsch nach einer neuen Form der staatsrechtlichen Beziehungen ausdrückte, allerdings davon gesprochen, daß die früheren Krone für die Iren nicht, wie für die früheren Dominien, das Wahrzeichen Eroberung Sicherheit, sondern das Symbol der Eroberung sei. – Nichts konnte jedoch den inneren Abdieser den heute die britische Politik selbst zu der Eroberung hat besser asiatischen lichen als das Erscheinen der drei asiatischen Dominien. Die Formen der Zusammenarbeit im Commonwealth werden sich im gleichen Geiste finden lassen. H. A v. Dz.