Es ist ein schönes Zeichen eines wiedererwachten Staatsgefühls bei den Deutschen, daß die Wahlen in Südschleswig der dänisch gesonnenen Südschleswigschen Vereinigung einen so geringen Erfolg gebracht haben. Das Ergebnis hat viele deutsche Erwartungen übertroffen. Selbst in dem Zentrum der dänischen Bewegung, in Flensburg, haben die Deutschen eine ganz knappe Stimmenmehrheit erhalten, in Schleswig ist das Verhältnis für die deutschen Parteien sogar drei zu eins. Von dänisch gesonnener Seite wird eingewandt, an diesem Ergebnis sei nur die große Zahl der Flüchtlinge schuld, die Furcht gehabt hätten, ein Sieg der Dänenpartei werde sie erneut heimatlos machen. Die deutschen Parteien wiederum sagen, nicht weil es sich in Wahrheit um eine große dänische Minderheit handele, sei die Zahl der dänischen Stimmen immer noch so hoch, sondern weil dänische Devisen nach Südschleswig geflossen seien, dänischer Speck und dänische Butter, weil ferner viele schleswigsche Bauern und Geschäftsleute frühzeitig in die NSDAP eingetreten seien aus Mißmut über die besonders schlechte Wirtschaftslage zu Beginn der dreißiger Jahre und weil diese Menschen jetzt hofften, das neue dänische Vaterland werde dies schneller vergessen, als ihre deutschen Mitbürger es tun. Beide – Dänen wie Deutsche – mögen in mancher Beziehung recht haben, aber eines ist nicht zu leugnen, die vorigen Wahlen zeigten ein anderes Bild und seitdem hat sich die Zusammensetzung der Bevölkerung nicht geändert, wohl aber ihre Gesinnung: viele, die das vorige Mal lau waren, haben sich wieder zu Deutschland bekannt, und das ist das Schöne an diesem Wahlergebnis.

Manches bat dazu beigetragen, diesen Wandel herbeizuführen. Da ist in erster Linie der Kampf zu nennen, den Berlin für die Freiheit kämpft und der allen Deutschen wieder etwas Gemeinsames gegeben hat, auf das sie stolz sein können und das sie über allen Streit hinweg verbindet. Da ist ferner das kluge Verhalten der Engländer, die alle dänischen Forderungen ruhig angehört haben, aber auch bei den soeben abgeschlossenen Londoner Besprechungen wieder wie schon vorher zu erkennen gaben, daß sie es nicht für richtig hielten, an dem deutschen Charakter Schleswigs zu zweifeln. Die Frage der Trennung Schleswigs von Holstein ist daher auf der Londoner Konferenz gar nicht mehr erwähnt worden. Versprochen wurde von den Engländern nur, daß man versuchen werde, sich für eine gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge über ganz Deutschland einzusetzen, und daß man gemeinsam mit den Deutschen Vorschriften zum Schutze der Minderheit in kulturellen Fragen ausarbeiten wolle.

Das ist kluge Politik-, und daß dieses Ergebnis der Londoner Konferenz zusammentrifft mit den Wahlen in Schleswig-Holstein bedeutet hoffentlich, daß die Frage einer Grenzänderung im Norden Deutschlands nicht noch einmal erörtert werden wird. Die Zeiten, da in Europa Grenzen hin- und hergeschoben wurden, sollten endgültig vorbei sein. Und vorbei sein sollte auch eder deutsch-dänische Streit. Wir hoffen auf die baldige Verwirklichung eines geeinten Europas, in dem Dänen und Deutsche als friedliche Bürger ’ nebeneinander leben, brüderlich und durch keine Grenze und keine Vergangenheit getrennt. Tgl.