DIE ZEIT

Besatzungsstatut

Auch die letzte Besprechung der Generale Clay und Robertson mit den Ministerpräsidenten am 30. Oktober ist vorübergegangen, ohne daß mit den Deutschen irgendwelche Einzelheiten des Besatzungsstatuts, das im Laufe der nächsten Wochen veröffentlicht werden soll, besprochen worden wären.

Kräfte um Dewey

Der amerikanischen Präsidentenwahl ging der uninteressanteste und fadeste Wahlkampf unserer Generation voraus. Es fehlten nicht nur die zündenden Parolen und die mitreißenden.

Tod in Raten

In Landsberg wird in Raten gestorben. General Clay will es so. Im Hof jener Festung, in der einst Hitler seinen „Kampf“ schrieb – jenes Lehrbuch politischen Verbrechens –, werden wöchentlich neun oder zehn Delinquenten hingerichtet, die Hitlers Kampf ausfochten, später wegen Kriegsverbrechens zum Tode verurteilt wurden und denen General Clay die Verhandlung vor einem Appellationsgericht verweigert, „Ich kann nicht annehmen“, so beantwortete er eine Entschließung des deutschen Episkopates zu dieser Frage, „daß ein Verfahren, das eine so weite, internationale Zustimmung gefunden hat, einer ernsthaften Kritik unterzogen werden, kann.

Zwischen Gut und Böse

Es herrscht ein großes Rätselraten in der Weltüber das Interview, das Marschall Stalin einem Korrespondenten der „Prawda“ gegeben hat und das seine Ansicht enthält über den Streit um Berlin und die Verhandlungen im Sicherheitsrat.

Atlantik-Union

Den fünf Außenministern der Brüsseler Union; mag noch das kalte „njet“ von Wyschinskis achtundzwanzigstem Veto in den Ohren geklungen haben, als sie einen Tag später, nach zweiständiger Sitzung im Quai d’Orsay ihre Botschafter in Washington anwiesen, offiziell die Besprechungen über eine Atlantik-Union mit dem state-department und dem kanadischen Botschafter aufzunehmen.

Kominform läßt streiken

Wie Innenminister Moch erklärt hat, geht der Streik der französischen Bergarbeiter auf Anweisungen des Kominform zurück. Und der Umfang, in dem dem kommunistisch dirigierten Allgemeinen Gewerkschaftsbund, der C.

Maschinen unter Anklage

Männer, so sagt man, machen die Geschichte. Deshalb wurden Politiker, Generäle, Industrielle nach Hitlers Angriffskrieg als Verbrecher angeklagt.

Stiefkind der UNO

Es bedurfte wahrhaftig nicht der von den Russen häufig und mit großem Vergnügen Vorgebrachten spöttischen Feststellungen, daß die so wichtige Palästina-Diskussion im Weltsicherheitsrat – bei der zur Zeit der amerikanische Delegierte Warren Austin präsidiert – nur mit Rücksicht auf die amerikanischen Wahlen immer wieder verschoben würde.

WGB in Liquidation

Vor drei Jahren schien eine Forderung friedlich in Erfüllung gegangen zu sein, die das kommunistische Manifest als Schlachtruf verkündet hatte: „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“.

WOCHENÜBERSICHT

Sechzig Millionen Amerikaner wählten ihren neuen Präsidenten, die neuen Abgeordneten für das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats.

Europäische Akademie

Die Popularisierung des paneuropäischen Gesprächs mußte dazu führen, daß die Probleme vielfach in bewußt vereinfachten, schablonisierten Begriffen dargestellt wurden.

Frankfurt oder Bonn

Es scheint, daß sich der Parlamentarische Rat zur Zeit über die vorläufige Bundeshauptstadt ebensowenig einig ist wie über die vorläufige Verfassung.

Urteil im OKW-Prozeß

Die Nürnberger Anklagebehörde war in dem sogenannten OKW-Prozeß ausgezogen, um dem deutschen Offizierkorps die Maske vom Gesicht zu reißen.

Die Nylonesin

Wie heißt die Sehnsucht vieler Mädchen heute? Nylon! Ja, und sie sagen dies Wort mit einer Inbrunst, als handele es sich nicht um Strümpfe, sondern um das Land der Glückseligen, wo die Schönheit auf den Bäumen wächst.

Es muß eine sammelnde Mitte sein

Dem künftigen Historiker mag die Betrachtung der heutigen Menschheit trotz aller Technisierung und Rationalisierung ihres Daseins das erschreckend widerspruchsvolle Bild eines Rückfalls ins Triebhaft-Dumpfe, Urtümlich-Anfängliche abgeben.

Friedensgedenktage

Der deutsche Romanschriftsteller Kückelhaus hat einmal sein Wiedersehen mit Münster beschrieben: „Die Stadt Münster blieb stets dieselbe, so oft wir auch zurückkehrten.

Viele neue Tiere

Gleich hinter der Totenbrücke lag eine dunkle Gasse, die nach einem Heiligen hieß. Die kleinen Häuser standen schief und still unter den schmalen Himmelsspalt, der durch die vortretenden Giebel eben noch zu sehen war.

Logbuch einer Stadt

Jedermann, der seine Arbeit tut, ob er nun Kabel legt, Konten führt, Schuhe, Möbel oder Zeitungen macht, tut noch ein weniges mehr als eben dies: er ist mitbeschäftigt am sausenden Webstuhl der Zeit.

Madame Rostand läßt bitten

Salon von Madame Rostand in Paris ... Duft gepflegter Parfüms. Alte Möbel, gute Ölbilder, feine Pastelle, edle Fayenzen, viel venezianisches Glas und eine Kollektion nobel gebundener Bücher.

Nicht zuviel Theorie

Nicht zuviel Theorie“ – diese Worte sagte Bertrand Russell in einer großen bewegten Diskussion zu seinem Vortrag über „Wissenschaft und Zivilisation“, den er während seines Berliner Aufenthalts im britischen Information Centre gehalten hatte.

Unter dem Apfelbaum

„Gib mir einen von den Äpfeln“, bat sie, „und ich will dir die Hälfte geben. Wir wollen teilen.“ Er schüttelte den Kopf und erwiderte: „Nein, ich darf nicht.

Wiedersehen mit Braque

Am 9. Oktober wurde durch den südbadischen Staatspräsidenten Wohlleb und den Gouverneur Pène in Freiburg eine Ausstellung des französischen Malers Georges Braque eröffnet.

„Deissmann-Report“

Dieser Tage ist dem Wirtschaftsrat durch Professor Erhard* ein von allen Beteiligten seit langem mit einer gewissen Spannung erwartetes Dokument vorgelegt worden: nämlich der Bericht über die Auswirkungen der Entflechtung für die eisenschaffende Industrie, den eine seinerzeit noch von Erhards Vorgänger Dr.

Falsche Hausse

Die Hausse ist da. Seit gut einer Woche überwiegt die Aktiennachfrage, an den – westdeutschen Börsen das Angebot bei weitem; entsprechend steigen die Kurse.

Gesperrte Geschenke

In neun europäischen Hauptstädten gab es in der vergangenen Woche eine unangenehme Überraschung. Washington meldete kurz und knapp: Weitere Marshall-Plan-Geschenke blieben 10 lange gesperrt, bis die Regierungen von Frankreich, Italien, Dänemark, Norwegen, Schweden, Belgien, Irland, Holland und der Türkei Anleiheabkommen mit der Marshall-Plan-Verwaltung abgeschlossen hätten.

Gips spart Holz

Der Wiederaufbau zerstörter Wohnräume und der Neubau von Wohnungen wird in Deutschland für Jahrzehnte im Vordergrund aller Planungen stehen müssen.

Scharfe Strafen

Das Gesetz gegen Preistreiberei war Altpapier, bevor es in Kraft trat. Der Entwurf für ein vereinfachtes Wirtschaftsstrafrecht dagegen kann sehr wohl zu einer Sonde wenden, mit der Verwaltung und Justiz die faulen Teile aus dem deutschen Wirtschaftskörper herausschneiden können.

Der Betriebswirtschaft hat das Wort

Professor Dr. Th. Beste, Lehrer der Betriebswirtschaft an der Universität Köln, hat uns auf unsere Bitte hin die folgenden Ausführungen über das Entflechtungsproblem in der Groß-Eisenindustrie zur Verfügung gestellt.

„Dreißig Familien beherrschen das Schwarze Revier“

Die Wahrheit von gestern ist die Legende von heute. Aus der Zeit vor dem ersten Weltkriege stammend, hat sich bis auf den heutigen Tag zäh die Vorstellung erhalten, daß die gesamte deutsche Schwerindustrie in den Händen einiger weniger „Magnatenfamilien“ liege.

Kohle und Stahl vor neuen Entscheidungen

Es wird in Kürze anders werden – das war die Quintessenz der Erklärungen, weicht die Generale Clay und Robertson kürzlich, bei ihrem gemeinsamen Besuch im „Schwarzen Revier“, abgegeben haben.

Das Revier macht praktische Vorschläge

Was kann geschehen, um das fast in jeder Beziehung unbefriedigende Entflechtungsprovisorium in der eisenschaffenden Industrie durch neue Regelungen zu ersetzen? Vordringlich ist, nach allgemeiner Auffassung, die Frage der Betriebsgliederung, um „Einheiten“ in Form von Unternehmungsgruppen zu schaffen, die rationell arbeiten können und eine günstige Kostenlage gewährleisten.

Dinkelbachs großes Experiment

Vielleicht schon in naher Zukunft, to hieß es kürzlich in einer aus London datierten Meldung, würden die Westmächte den nächsten Schritt mit der Einsetzung deutscher Treuhänder für den Kohlenbergbau und die Großeisenindustrie tun.

Lastenausgleich ohne Montanindustrie?

Dinkelbach wird es sicherlich heute schon bedauern, daß er sich, in der Kontroverse mit dem Züricher Blatt, auf derartige „zukunftweisende“ Äußerungen in Sachen Besitzumlagerung festgelegt hat.

+ Weitere Artikel anzeigen