DIE ZEIT

Neue Schwabenstreiche

Theodor Vischer hat gesagt, es sei für das Land Schwaben kennzeichnend, daß seine Hauptstadt in einem Kessel liegt, und Enge des Blicks ist es denn auch, was die berühmten Schwabenstreiche vor anderen Streichen voraus haben.

Trumans Mandat

Für den handelnden Menschen ist die Zukunft immer wichtiger als die Vergangenheit. Die erste Garnitur der Handelnden – die der Staatsmänner – muß mehr als jede andere die Fähigkeit besitzen, nach vorn zu schauen.

Die Tragik Tschiangkaischeks

Die Nachricht von dem Fall der Stadt Mukden und die damit notwendig gewordene Räumung der Mandschurei durch die chinesischen Regierungstruppen haben in der ganzen Welt große Besorgnisse ausgelöst.

Stalin und die Kirchenfürsten

Als die atheistischen, sowjetischen Führer am Anfang des zweiten Weltkrieges demonstrativ der Orthodoxen Kirche in Rußland die geraubte Freiheit wiedergaben, konnte man nur vermuten, daß Stalin nicht gerade aus religiösen Erwägungen sich zu diesem Schritt veranlaßt sah.

Unruhe in der Ostzone

Festigung und Entwicklung der Demokratie in der sowjetischen Besatzungszone“ hieß ein Artikel in der Berliner „Täglichen Rundschau“.

WOCHENÜBERSICHT

Prasident Truman wurde mit über 2 Millionen Stimmen vor dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Dewey für die nächsten vier Jahre wiedergewählt.

Nach 200 Sitzungen

Wenn man sich einmal aus Daffke – wie der Berliner sagen würde – vorstellt, daß dem Historiker des Jahres 2000 als einziges Dokument unserer Zeit die Akten der Kommission für Atomkontrolle vorlägen, so würde er, auch wenn es überhaupt kein anderes schriftliches Zeugnis mehr gäbe, daraus, alle wesentlichen Kennzeichen unserer Nachkriegsepoche rekonstruieren können.

C. J.: Wahl durch Los?

Durch die Kreis- und Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen ist der eigenartige Zustand entstanden, daß die KPD zwar stark an Stimmen verloren hat, aber andererseits vielfach zum entscheidenden Faktor bei den Wahlen der Landräte, der Bürgermeister und Oberbürgermeister geworden ist, wenn sie mit der SPD zusammengeht.

Die Furcht vor den Befreiern

Die wirksamste Hilfe für die Durchhaltepropaganda der Nazis kam von den Alliierten: Die Taten der Sowjets, die Pläne Mergenthaus, die Reden Vansittarts und Roosevelts Forderung nach bedingungsloser Kapitulation.

Nobelpreisträger T.S. Eliot

Thomas Stearn Eliot, der jetzt den Nobelpreisfür Literatur erhalten hat, ist eigentlich kein Engländer – er wurde 1888 in St.

Entlassung in Berlin

Anfang November 1936 ging es nach Berlin zurück zur Entlassung. Ich mußte einen Revers unterschreiben, daß ich mich jeder politischen Betätigung enthalten, nicht ins Ausland gehen oder mit dem Ausland korrespondieren und keine Verbindung mit meinen früheren politischen Freunden aufnehmen würde.

Gestapo bestellte kommunistische Aufrufe

Um die gleiche Zeit, im Mai 1940, wurde ich zu dem Oberregierungsrat und SS-Gruppenführer Müller ins Gestapo-Haus bestellt: ich hätte einige kommunistische Aufrufe zu verfassen.

Der wirkliche Reichstagsbrandstifter

Ich habe in dieser Nacht kein Auge mehr zugetan. Denn eines war mir klargeworden: ich hatte soeben mit dem wirklichen Reichstagsbrandstifter gesprochen.

Premiere, bist du’s?

Von Hanns Braun Was für eine unheimliche Zauberhöhle das Theater ist, erwies sich unlängst wieder einmal in München bei der Uraufführung eines Kinderstücks („Die drei goldenen Haare des Teufels“, nach Grimm von Wolfgang Petzet gestaltet).

Der deutsche Europa-Gedanke

Erscheint es gewagt, von einem deutschen Europa-Gedanken zu sprechen? Ist nicht die Idee eines „Völkerbundes“ ursprüngliches geistiges Allein-Eigentum der westlichen Demokratien? Ein Hamburger Dozent für Völkerrecht bejahte beide Fragen auf einem Diskussionsbedeutungslos machende Wertung des Heiligen Römischen Reiches als des ersten gewaltigen Versuches, das Abendland in einer übernationalen, europäischen Ordnung zu einen, sich allgemein durchsetzen.

Die Zukunftsprobe

Adolf Frist stammt aus dem Rheinland; er ist 1910 in Euskirchen geboren. Sein Name wurde durch das lebendig geschriebene Buch „Reise ins Ausland“ sowie durch Gegenwartserzählungen und literarische Essays in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften bekannt.

Anouilhs „Medea“

Sie sind auf der Flucht in Korinth angekommen: Medea und Jason. Und da macht Jason Schluß mit ihr, verlobt sich mit der einheimischen Königstochter und verlangt, daß Medea mit ihrer Amme weiterziehe.

Themen und Variationen

Die Bezeichnung „Themen und Variationen“, mit der Philip James im Ausstellungskatalog die augenblicklich im London Arts Council gezeigte Sammlung von nach dem Krieg entstandenen Lithographien Picassos charakterisiert, könnte nicht besser gewählt sein.

Debussy in neuem Licht

Einer der gründlichsten Kenner der modernen Musik überhaupt und der französischen insbesondere hat sich der Aufgabe unterzogen, dem entscheidendsten Bahnbrecher und stärksten Anreger unter den neueren Meistern Frankreichs ein literarisches Denkmal zu setzen.

Stadt der Kindheit

Es gibt eine Liebe, die so groß ist, daß man nicht mehr über sie schreiben kann; das zeigt der Roman „Axel Wernerode“ der in Petersburg geborenen deutschen Schriftstellerin Rohde Liebenau, der jetzt im Vier Falken Verlag (Düsseldorf) erschien.

Notizen

Den diesjährigen Nobelpreis für Physik hat Professor Patrick Blackett von der Universität Manchester erhalten. Professor Blackett genießt Weltruf auf dem Gebiet der Atomphysik.

Ein niederdeutscher Hebel

In Moers am Niederrhein gedenkt man in diesen Tagen eines Mannes, der sich als Volkserzieher und protestantischer Theologe durch seine pädagogischen Schriften einen Namen geschaffen hat, der noch heute unvergessen ist.

Für den Weltfrieden

Haben wir Frieden? Und zweifeln wir diesen Frieden, der uns beschert wurde, nicht täglich an? Wenn trotzdem eine internationale Frauenorganisation, die „WOMAN“ (Weltorganisation der Mütter aller Nationen) das Wort als wirksame Waffe gegen den Krieg ergreift, so kann man diesen Kampf für die Erhaltung des Weltfriedens nicht von vornherein utopisch und hoffnungslos nennen – nur weil es Frauen noch nie gelungen ist, Kriege zu verhindern.

Heilkraft des Vertrauens

Wenn wir nur unsere Gesundheit behalten – sagten die Leute in den Hungerjahren von 1945 bis zum Sommer 1948 und gaben alles Geld für Essen und Kleidung aus.

Merlin

In einer Zeit der krassesten Gegensätze, in der oft die Frage nach dem Sinn des Daseins gestellt wird, erscheint „MERLIN“, eine Schriftenreihe für Grenzwissenschaft und Schicksalskunde, die Dr.

„Faustkampf“ in Köln

Lustig, wie die Kölner nun mal sind, haben sie sich kürzlich über folgende Ereignisse amüsiert: Mit einem Anschlag begann – gottlob nur einem papiernen, im Zuschauerraum bei der Kölner „Urfaust“-Premiere.

Was sagt Wallstreet?

Wallstreet ist durch den Wahlerfolg Trumanszwar ins Taumeln geraten, aber nicht zu Boden gegangen. Sicherlich hat Big Business eine wichtige Kunde verloren – jedoch nicht einen großen Kampf.

Ausgefahrene Gleise

In allen größeren deutschen Städten haben die öffentlichen Verkehrsbetriebe – Straßenbahn, Obus und Omnibus – als Erbe aus dem vergangenen Kriege ein ungewöhnlich hohes Maß an Sorgen aufgebürdet erhalten.

Amnestie? – Amnestie!

Mit sehr eindringlichen Worten plädiert der Verfasser, der als Beamter einer Finanzbehörde sicherlich ein gutes Urteil über die mangelnde Steuermoral, ihre Ursachen und die Mittel zu ihrer Verbesserung hat, für eine steuerliche Amnestie.

Lastenausgleich, erster Akt

Die Arbeit der Gutachterkommission, die sich für einige Zeit im „Konklave von Schönberg“ eingekapselt hatte, um das Sofortprogramm für den Lasenausgleich zu beraten, liegt nun als ein großes Paragraphenwerk (mit über 50 Schreibmaschinenseiten) dem Wirtschaftsrat zur endgültigen Beschlußfassung vor.

Es dämmert...

Die Geldfülle, der kein entsprechendes Angebot gegenübersteht, erregt in der Ostzone nun doch Sorgen. Die Planwirtschaft kann einfach nicht mit Befehlen den verbliebenen Überhang ausschalten.

Profil und Linie

Gewiß: Die Leute haben ein ausgezeichnetes, ein sorgfältig ausgewogenes Programm aufgestellt. Wer, in der wirtschaftlichen Praxis stehend, nicht gerade (was ja selten vorkommt) ein Doktrinär ist, wird ihnen ohne wesentliche Vorbehalte zustimmen können.

Der Traum vom Bayern-Paradies und die harte Wirklichkeit

Im Herbst ist Bayern am schönsten. O du landesfarbener blau-weißer bayrischer Herbst! Wenn die Sonne scheint, hat der wolkenlose Himmel buchstäblich die blaßblaue Farbe alten bayrischen Fahnentuchs, und die ländlichen Kirchtürme ragen spitz, grellweiß und heiter in die herbstliche Luft.

Wo kaufen Sie Rasierklingen?

Wenn Sie die Blumen aus Ihrem Schrebergarten bündeln, in den Arm nehmen, und sie am Kantstein zum Verkauf ausbieten, dann sind Sie noch kein Straßenhändler.

HOCHLAND IN NOT

Diesen Herbst sind in vielen Touristenhotels der schottischen Hochlande Gäste anzutreffen, die weder Golf spielen noch angeln noch Moorhühner jagen, sondern dem Studium eines merkwürdigen Problems obliegen.

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