Die Sozialisten und Volksrepublikaner wissen, was eine Regierungskrise für da Land und was Neuwahlen für diese beiden Parteien bedeuten werden, so schrieb Le Monds vor dem Zusammentritt der französischen IxatSonalversammlung. Die zahlenmäßig stärksten Parteien der Regierung Queuille wollen die Fehler des Sommers nicht nur nicht wiederhokn, sondern möglichst wiedergutmachen. Wie Gerüchte behaupten, besteht die Absicht, die legierungsbasis nach rechts durch Berufung von Paul Reynaud uad Rene Pleven und nach links durch Pierre Cot zu erweitern Das Verttuensvotum für Queuille mit 351 gegen 215 Stintnen konstatierte nämlich nur das Mehrheitsverhältnis in der Nationalversammlung, nicht aber in der Bevölkerung. Ob die Regierungsparteien im Lande das verlorene Terrain wiedergewinnen können, hängt yor allem von der Wirtsctafts- und Finanzpolitik ab. Die Amerikaner haben der Regierung Queuille zunächst eine Hilfestellung versprochen und bisher aus dem Marshall Plan . Gegenwertfonds schon 95 Milliarden Francs zur Verfügung gestellt. Sie machen aber die Bereitstellungweiterer Beträge davon abblngig, daß Frankreich selbst umfassende Maßnahmen zur Sanierung von Wirtschaft und Finanzen ergreift. Die amerikanische Politik hält noch an Queuille fest, wenn auch starke amerikanische Kräfte mit de Gaulle sympathisieren.

, De Gaulle hat trotz seiner Wahlerfolge an Einfluß- eingebüßt. Sein außenpolitisches Programm und sein Ehrgeiz stoßen die Amerikaner ab, So beansprucht de Gaulle an Stelle von Montgomery den Oberbefehl für Europa und Nordafrika. Die" Amerikaner bezweifeln auch, daß die Kräfte, auf die sich" de Gaulle stützen kann, genügend stark sind. Es sind dies vor allem katholische Kreise dei Großstädte und das Kleinbürgertum, nördlich der LOTC, sd im "£fiKff 8rid ; inibthringenyBurgurid, derUortnandie und den Departements um Paris Zu wenig Anhänger dagegen zählt de Gaulle im laizistischen Kleinbürgertum südlich der Loire, das den Sozialislen die Treue hält, in jder Arbeiterschaft, so daß schärfste arbeiterfeindliche Maßnahmen bei einer Machtübernahme de Gaulies nötig wären, und- schließlich — wie es der Wahlausgang in der Vendee gezeigt hat 7- in den für die Staatsverwaltung und das Wirtschaftsleben so wichtigen konservativen Kreisen des Adels und des Großbürgertums, die im politischen Jargon "Finanzinspektoren" und "die 200 Familien genannt werden. De Gaulle kann zwar hoffen, daß seine Bewegung aus Neuwahlen als stärkste Partei hervorgehen würde, aber trotz Sympathien bei gewissen Kreisen der jetzigen Regierungskoalition, so denen um Bidault und Daladier, dürfte es kaum für eine Mehrheit im Parlament reichen. Bezeichnenderweise, hat de Gaulle im, Rat der Republik bei der Wahl des Präsidenten keinen eigenen Kandidaten aufgestellt. Wiedergewählt wurde mit 199 von "281 Stimmen der zur linken Mitte gehörende Monnervillc; Die Stärke der Kommunisten andererseits zeigt sich vor allem darinl daß zwei Monate nach Beginn des Bergarbeiterstreiks die Hälfte der Untertagearbeiter des Nordreviers noch nicht wieder einfährt und die Gesamtkohlenförderung noch um mehr als 30" v. H unter normal liegt. Allerdings wurden auch gewisse Schwächen sichtbar. Zur Finanzierung des Streiks mußte die Komioform 120 Mill. Francs aufwenden. Außerdem wurde Notgeld ausgegeben, was einen Prozeß des Finanzministers gegen die Gewerkschaftsfunktionäre Lecoeur und Parent %zur Folge haben wird. Auch erwiesen sich Eisenbahner- und Hafenarbeiterstreifc als Fehlschlag. Doch diese Mißerfolge haben nur bestätigt, daß Streiks von oben nicht befohlen werden können. Die kommunistischen Gewerkschaftsfunktionäre waren diesmal vorsichtiger als vor einem Jahr und haben sich damit begnügt, im Kohlenrevier die Macht ihres straff organisierten Partei und Gewerkschaftsapparates zu demonstrieren. Die Wahlen zum Rat der Republik, die kürzlich stattgefunden haben, können nicht darüber hinwegtäuschen, daß wohl noch fünfjns sechsMillionen Wähler hinter den Kommunisten stehen, Die Haltung der Regierung zwischen den beiden Fronten Ist manchmal schwankend. Die links stehenden Abgeordneten betrachten eine eventuelle Volksfront als das kleinere Übel. Sie 4wollen nicht als "Arbeitermörder" gebrandmarkt werden und sind somit kaum für den scharfen, antikommunistischen Kurs von- Jules Moch, während nach der Meinung des rechten Flügels der Regierungskoalition das Staatsschutzgesetz nicht weit genug geht. Die "Dritte Kraft ist noch nicht wirklich gefestigt. W. G.