Um nicht auch bei Adam und Eva, sondern mit Wilhelm Busch zu beginnen: „Humor ist, wenn man trotzdem, lacht“, und im Rheinlandpflegen die Mütter zu ihren Kindern zu sagen: „Lachen, wenn es nicht zum Weinen reicht.“ Zum wahrhaft befreienden Gelächter gehört nicht nur Mut, sondern auch Können. Funkensprühend und blitzend rollte der Film„Der Apfel ist ab“ (Camera-Film) bei seiner Uraufführung im Waterloo-Theater Hamburg an uns vorüber, aber er zündete nicht: ein kabarettistisch-intellektualistisches Märchen mit fadenscheiniger Hintergründigkeit. Er ist mit Geist und Witz gemacht, auch mit Liebe und Laune, aber nicht – mit Herz, nicht mit Wärme. Das Kabarett lebt intensiv vom Kontakt mit dem Publikum, legt man die Leinwand dazwischen, hört er anscheinend auf. Obwohl dieser Film alle Register zieht mit seinen Tricks,die die natürliche Erdgebundenheit überwinden und den Menschen wenigstens in Bildern frei im Weltenraume zeigen, lassen diese synthetischen Laboratoriums-Auf nahmen seltsam kalt. Denn unter all diesen Menschen gewinnt eigentlich nur einer durch seine Darstellungskraft unversehens menschliche Anteilnahme: der Portier im Sanatorium und Himmelsportier Willy Maertens.

Die Story selbst von dem Mann mit den zwei Frauen, die er wegen ihrer Verschiedenheit beide liebt und in der himmlischen Retorte in eine neue umschmelzen läßt, ist ungleich dünn, gemessen an der turbulenten phantastischen Einkleidung. Es handelt sich gar nicht so sehr um den Apfel, der ab ist. als um eine zu früh gepflückte grüne Nuß mit allzu kleinem Kern – um im Bilde zu bleiben. Der Beigeschmack ist leicht bitter.

Wäre dieser Film nur ein liebenswürdiger Unsinn (um eine halbe Stunde Dauer gekürzt), so würde man ihn wohl ohne Einschränkung belustigt akzeptieren. Da er aber ins Dämonische vorstößt, wünscht man ihm mehr Kraft und Tiefe. Läßt sich so intellektuell-spielerisch außerhalb des persönlich-menschlichen Fluidums im Kabarett der Unfug der Welt anklagen, der uns Überlebende Angst und Grauen gelehrt hat? Hier also liegt nach unserer Meinung der Bruch. Es reicht nicht zum befreienden Lachen und nicht zum Weinen. Indifferenz aber soll tödlich sein. Wenn schon in den wirbelnden Szenen in den Gefilden des Teufels dem paradiesischen Paar Adam und Eva Irrtum und Tand dieser unserer Welt gezeigt werden – SA-Stiefel auf Tulpenbeeten, Boxkampf als Volksbelustigung, Boogie-Woogie-Verrenkungen der „ersten besten Gesellschaft“ –, so könnten dazu als Beispiel auch gleich Szenen dieses Films demonstriert werden.

Aber immerhin meidet dieses Werk die müde Schablone und wagt das Experiment. Es ist danach aufrichtig zu bedauern, daß Helmut Käutner trotz großen Aufwandes: trotz sprudelnder Pointen und hoffnungsvoller Eigenwilligkeit nicht der bedeutende Film, gelungen ist,den wir gern sehen möchten. Erika Müller