Am ersten Adventssonntag hat der Erzbischof von Canterbury, Dr. Geoffrey Francis Fisher, der sich àuf Einladung General Robertsons auf einer Reise durch die britische Besatzungszone befindet, in der Petrikirche in Hamburg einen deutsch-englischen Gottesdienst abgehalten. Der Erzbischof predigte vor den anwesenden evangelischen Bischöfen von Hamburg, Schleswig und Holstein und einer großen Menge deutscher und englischer Kirchenbesucher. In seinen Worten spürte man deutlich die Haltung, die der höchste englische Geistliche seit seinem Amtsantritt als Erzbischof von Canterbury wiederholt gezeigt hat: das Bestreben, die Einheit Zwischen allen christlichen Konfessionen zu fördern und zu verwirklichen.

Dr. G. F. Fisher, der heute 61 Jahre alt ist, wurde 1913 zum Priester geweiht. Von 1937 bis 1940 war er erster Prediger an der Universität Cambridge, 1939 wurde er noch während dieser Tätigkeit zum Bischof von London erwählt. Dieses schwere und verantwortungsvolle Amt hat Dr. Fisher fast den ganzen Krieg über ausgeübt; erst im Januar 1945 ernannte ihn die damalige Regierung Churchill, überraschend für die englische Öffentlichkeit, die es gewohnt ist, daß der Erzbischof von York die Nachfolge des verstorbenen Erzbischofs von Canterbury antritt, zum Nachfolger von William Temple, der die höchste Stellung in der englischen Kirche vorher innehatte.

Dr. Fishers Einheitsstreben geht so weit, daß er interkonfessionelle Gottesdienste nicht nur duldet, sondern sogar fördert. Auch seine jetzige Deutschlandreise diente nicht nur dem Besuch der britischen Besatzungstruppen. Wo der Erzbischof war – in Herford, Bethel oder Essen – versäumte er es nicht, mit deutschen kirchlichen Würdenträgern zu sprechen, um seinem Ziele näherzukommen.

Auf seinem Weg zur Einigung des Christentums sieht Dr. Fisher zwei Widerstände. Einmal das bolschewistische Rußland, das die Entwicklung eines christlichen Europas hemmt und das er einen „Verdreher der Begriffe von Gerechtigkeit und von guter Nachbarschaft“ nannte. Der zweite Widerstand geht von der katholischen Kirche aus, die alle Einheitsbestrebungen hisher zurückwies und auch auf der Weltkirchenkonferenz in Amsterdam nur durch inoffizielle Beobachter vertreten war. – Während seiner Hamburger Predigt sagte der Erzbischof „Laßt uns Gott danken, daß wir in diesen dunklen Tagen einen großen Schritt vorwärts gesehen haben. In Amsterdam wurde im vergangenen Jahr der Weltkirchenrat gegründet. Wir glauben, daß Amsterdam eine Antwort auf den Willen Christ für seine Kirche ist, daß er uns gelehrt hat, da Ärgernis unserer Trennung zu empfinden... In Amsterdam haben wir die Vision der Einheit ergriffen, die noch werden soll.“ P. H.