Es sind nicht nur die tatsächlich eingeräumten Erleichterungen im Ausfuhrverfahren, die dem deutschen Exporteur einigen neuen Mut eingeflößt haben – was dringend notwendig geworden war! Auch die Atmosphäre, in der sich die Zusammenarbeit zwischen deutschen und alliierten Stellen im Außenhandel vollzieht, hat sich in den letzten Wochen deutlich gebessert. Dem gelegentlichen Besucher in Frankfurt fällt ein neuer Zungenschlag angenehm auf.

Gewiß, Schwierigkeiten wird es auch in Zukunft in vielerlei Formen geben. Das gesteckte Ziel für 1949 oder 1950, eine Monatsausfuhr von 600 Mill. DM gegenüber bisher wenig mehr als 200 Mill. DM, ist in sich bereits eine Schwierigkeit – im Inland von der Produktion her, im Ausland durch manche Absatznöte bei der Begegnung nicht nur mit verschiedenartigen Bedürfnissen des Auslandes, sondern auch mit gleichartigen Angeboten von Konkurrenten. Die deutsche Bereitschaft, das jetzt in Frankfurt im allgemeinen friedlich verlaufende Gespräch über die Grenzen hinauszutragen, etwa ähnliche Absprachen im Stahlexport zu erzielen, wie sie vor dem Kriege in der Internationalen Rohstahl-Exportgemeinschaft (IREG) recht wirksam waren, wird draußen von Politikern und von Konkurrenten noch höchst kritisch und mißtrauisch besingt. Auch die Sorge, der deutsche Exporteur könne die Aufhebung der individuellen Exportgenehmigung und das Ende des Papierkrieges bei der Ausfuhr dazu mißbrauchen, um fiktive Preise in seine Kontrakte einzusetzen und sich so Devisenreserven im Auslande zu schaffen, wird von den ausländischen Kontrollinstanzen so ernst genommen, daß sie die Gefahr eines Rückschlages in Form schärferer Exportüberwachung offen aussprechen. Man kann nur inständig hoffen, daß die deutschen Exporteure genügend Verantwortungsbewußtsein zeigen werden, um diese Klippe eines illegalen privaten Vorteils erfolgreich zu umschiffen, damit der deutsche Außenhandel mit; ehrlichem Gesicht auf freier Fahrt bleiben kann.

Schwierigkeiten wird es auch in der technischen Ausnutzung der jetzt gewährten Freiheit geben. Zwar sollen die „handelsüblichen“ Formen des Exportes – und später auch der Einfuhr – wieder zur Anwendung kommen, aber es wird noch vieler Hürdensprünge bedürfen, bis etwa die Cif-Klausel überall dort wieder Geltung hat, wo sie früher üblich war. Cost, Insurance, Freight – davon sind bisher nur die Kosten klar: der Weltmarktpreis wird die Richtschnur, der 30-cts-Kurs die einzige Umrechnungsbasis sein. Von der Versicherung weiß man, daß die Beschränkungen des Gesetzes Nr. 47 formell noch immer nicht aufgehoben sind. Und bei den Frachten wird sich das Fehlen deutscher Tonnage oder von Deutschland gecharterter ausländischer Schiffe in der Ausfuhr ebenso ungünstig bemerkbar machen wie es heute für Deutschland schwierig ist, in der Einfuhr devisensparende Fob-Abschlüsse zu tätigen, wenn man nicht auf die Notwendigkeit verweisen kann, daß eine vorhandene deutsche Tonnage auch beschäftigt werden muß.

In der Außenhandelspolitik sind gleichfalls noch manche Mißverständnisse vorhanden, von denen wir Deutsche es uns abgewöhnen müssen, sie allzusehr mit ausländischen Augen zu sehen. Da ist etwa die Spitzenverrechnung in zweiseitigen Handelsabkommen. Bekanntlich sehen die meisten von der Doppelzone geschlossenen Handelsverträge vor; daß alle drei Monate eine Begleichung der über die vereinbarten Salden hinausgehenden Spitzen in Dollar, verlangt werden kann. Dies macht begreiflicherweise unsere Handelspartner häufig, abgeneigt, Aufträge nach Deutschland zu vergeben, weil man befürchten muß, einen Teil davon über diese Spitze in Dollar zahlen zu müssen. Doch diese Klausel hat ihre Kehrseite. Es ist von der JEIA wiederholt in derartigen Verhandlungen angeboten worden, die Saldenverrechnung nur alle sechs oder neun oder zwölf Monate vorzunehmen, jedoch unter einer Bedingung: die Partner sollen sich ihrerseits zu Lieferungen an die Doppelzone für gleich lange Perioden zu festen Preisen verpflichten. Da sie dies meist verweigern, will auch die JEIA für die Doppelzone mit Hilfe der Spitzenbedeichung die Entscheidungsfreiheit über die Quelle unserer Einfuhren behalten.

Ähnlich liegt es mit der Dollarklausel für die Ausfuhr außerhalb zweiseitiger Handelsverträge. Es nützt der Doppelzone herzlich wenig, wenn sie heute etwa in Pfunden fakturiert, dadurch manchen Abschluß hereinbringen könnte, wenn jedoch diese nicht überall frei verwendbaren Währungen sich in den Kassen der JEIA ansammeln, ohne daß sie jetzt oder in nächster Zukunft dafür diejenigen Dinge draußen kaufen kann, die dringend von der Doppelzone gebraucht werden.

Um den 30-cts-Kurs ist es in der deutschen Diskussion erfreulicherweise sehr viel stiller geworden. Es zeigt sich deutlich, daß dieser Mittelkurs für die Übergangszeit also bis zur Stabilisierung des deutschen Preisniveaus eine durchaus brauchbare Lösung darstellt. Mit Sonderkursen für einzelne Exportzweige würde dieser Stabilisierung der Preise und der ebenso wichtigen Rationalisierung der Produktion kein großer Dienst erwiesen. Bedauerlich ist es dagegen gerade für die Rationalisierung, daß auf alliierter Seite wenig Neigung zu bestehen scheint, einer Erhöhung des Devisenbonus A zuzustimmen, ja sogar Tendenzen bestehen, ihn vielleicht ganz zu streichen. Wenn diese Absicht bei der Vereinfachung der Einfuhr Wirklichkeit werden sollte, so wäre zu wünschen, daß die besonderen Einfuhrbedürfnisse der Exportwirtschaft, etwa an ausländischen Maschinen, bevorzugt berücksichtigt würden.

Erfreulich bleibt, daß im etwas größerem Umfange als bisher von einem gemeinsamen Ziehen am gleichen Strang die Rede sein kann. Das gilt neuerdings – auch für Handelsvertragesverhandlungen, wenn zum Beispiel gegenwärtig bei den Besprechungen mit Jugoslawien zum ersten Male nicht nur deutsche Beamte, sondern auch deutsche Sachverständige hinzugezogen werden. Dem Ziel, der Erhöhung des deutschen Exportes kann das nur dienlich sein. Ebenso zweckmäßig wäre es wohl, das – britische Vorbild zu übernehmen und für jede einzelne Industrie Exportziele abzustecken. Mit derartiger Kleinarbeit und mit dem neuen Zungenschlag, der hoffentlich bleiben wird, ist für die Überwindung künftiger Schwierigkeiten viel gewonnen. Gw.