Das „Hamburger Echo“ läßt sich von seinem Londoner Korrespondenten berichten, daß man „in sozialistischen Kreisen der Labour-Party“ (offenbar gibt es da also auch nicht-sozialistische Kreise!) auf Grund der „bisherigen Praxis der Militärregierungen“ die Befürchtung habe, die alten, ehemals führenden Kreise der Schwerindustrie würden jetzt als Treuhänder wiederkehren. Der Korrespondent bemüht als Eideshelfer für diese Anschauung zunächst den Labcur-Abgeordneten Crossman, „der selbst, kürzlich längere Zeit in Deutschland war“ (und über dessen Berichterstattung aus Westdeutschland zu gegebener Zeit auch noch manches zu sagen wäre). Weiter wird „Tribüne“ zitiert, die beunruhigt sei: einmal wegen der Gefahr, daß die „Besitzer“ (bekanntlich sind die Unternehmungen in Liquidation und werden solange von Treuhändern verwaltet!) jetzt ihren Einfluß geltend machen könnten, nämlich in der Zwischenzeit bis zu der später fälligen Entscheidung in der Eigentums-(Sozialisierungs-)Frage. Und weiter wegen der „Rückführung in eine primitivere Betriebsorganisation, der man (wer ist aber ‚man‘?) den verführerischen Namen ‚Dekartellierung‘ gegeben hat“.

In dem Bericht des Korrespondenten heißt es dann weiter, zur Frage der Einflußnahme früherer „Besitzer“, die „Tribüne“ habe die Namen einer ganzen Reihe ehemaliger Wehrwirtschaftsführer aufgezählt, die angeblich nun wieder in Spitzenstellungen als Treuhänder sitzen. Genannt werden ganze vier Namen: Kost, Zangen, Rohland, Dinkelbach.

Von Rholand heißt es, daß er „aus dem Internierungslager entlassen, am Steuer der Vereinigten Stahlwerke sitzt“. Davon ist, was das „Echo“ so gut wissen könnte, wie die „Tribune“, kein Wort wahr: Rohland war zwar „nur“ im Interrogation Camp, ist aber heute – leider – ohne jedes Amt. Dabei wäre wohl zu wünschen, daß dieser hervorragende Fachmann, dessen Einstufung im Denazifizierungsverfahren dies ebenso ermöglichen würde, wie sein guter Leumund bei der Besatzungsmacht, wieder an die Arbeit käme, was bisher nur dadurch verhindert worden ist, daß „man“ wegen kommunistischer Quertreiber reien den Mut zu seiner Berufung nicht aufgebracht hat.

Analoges gilt von Zangen, der gleichfalls noch auf eine Möglichkeit warten muß, wieder tätig sein zu können, und der keineswegs, wie „Tribune“ behauptet, wieder bei Mannesmann arbeitet.

Daß Kost, jetzt Leiter der DKBL, zu des „alten Besitzern“ gerechnet wird, und daß man ihm den Vorwurf macht, er sei, unter Hitler, Wehrwirtschaftsführer gewesen, ist für jeden, der den Mann und sein Schicksal kennt, eine groteske Verfälschung der Tatsachen.

Mehr humoristisch zu nehmen ist, daß „Tribune“ weiterhin Dinkelbach, dem Freund der Gewerkschaften, nachsagen zu sollen meint, daß die deutschen Gewerkschaftler und Sozialdemokraten in ihm, dem Vertrauensmann des britischen Mil.-Gov., „einen Repräsentanten der Interessen der reaktionären Unternehmer sahen“. Dinkelbach wird vorgeworfen, daß er es versäumt habe, General Robertson den „ausgezeichneten Plan des begabten jungen Gewerkschaftlers Erich Potthoff für die Übergangswirtschaft der Ruhr“ zur Kenntnis zu bringen – offenbar aus Böswilligkeit, obwohl der „vorgeschriebene Instanzenweg“ zu Sir Brian nun einmal über ihn, also Dinkelbach, gehen müsse ...

Gewiß kann dergleichen Unsinn nur mit Schmunzeln quittiert werden. Die Sache hat aber auch eine sehr ernste Seite, nämlich, daß die britische Presse Gefahr läuft, in ihrer Berichterstattung über deutsche Vorgänge insgesamt nicht mehr erst genommen zu werden, wenn diese Berichterstattung à la „Tribune“ mit ihrer Mischung von Unkenntnis und böswilliger Verzerrung. dem deutschen Leserpublikum ständig durch die interessierte Parteipresse, ohne eine eigene kritische Stellungnahme hierzu, vorgesetzt wird, so daß zwangsläufig der Eindruck entsteht, man habe es da also mit Standardleistungen der britischen Publizitik zu tun – was ja erfreulicherweise nun denn doch nicht der Fall ist. G. K.