In seiner „Abrechnung mit Hitler“ hat Dr.Schacht sich kritisch über die Errichtung der „Reichswerke Hermann Göring“ geäußert und ist dabei insbesondere auf die Verhüttungsanlagen für die Salzgitter Erze zu sprechen gekommen, die er als „unwirtschaftlich“ bezeichnete. Für den Verein Deutscher Eisenhüttenleute hat Direktor Harten in einem Brief an Dr. Schacht dazu festgestellt, daß unter den heutigen Verhältnissen, nach den starken Demontageverlusten, die Anlagen in Salzgitter unentbehrlich seien.

Sogar die amerikanische Stahlkommission, die kürzlich Westdeutschland bereiste, habe eine Steigerung der Erzförderung im Salzgittergebiet auf mindestens 6 Mill. t vorgeschlagen. Die Verhüttung von je 1 Mill. t Salzgitter-Erz bedeutet, bei den heutigen Preisen für Schwedenerze, eine Devisenersparnis von je 4 Mill. Dollar, wobei der Mehrverbrauch an Koks bereits berücksichtigt ist. Auch die lothringische Minette sei ja, wie jedes andere Erzvorkommen in Westeuropa, im Verhältnis, zum Schwedenerz ein „armes“ Erz, mit höchstens 35 v. H. Eisengehalt nämlich. Aus wirtschaftlichen Gründen müßten die Salzgitter-Erze an Ort und Stelle aufbereitet und mindestens zum Teil auch verhüttet werden, damit man nur soviel hochprozentige Erzkonzentrate an die Ruhr zu fahren brauche, wie (im Frachtausgleich) Kokskohle zur Hütte in Watenstedt transportiert werden muß. Auch aus Gründen der Energiewirtschaft müßten daher die Hochöfen laufen, um einen ökonomischen Betrieb der Erzaufbereitungsanlagen, d. h. ihre Versorgung mit Koksgrus, mit Hochofengas und mit Strom, zu gewährleisten. Dies alles sei bei annähernd vollem Betrieb der ersten Baustufe der Hütte (mit etwa 750 000 t jährlich) wirtschaftlich möglich. Die Selbstkosten für Roheisen und Stahl würden unter den heutigen Verhältnissen nicht höher liegen als, aus Schwedenerzen gewonnen, an der Ruhr;

Dr Schacht hat darauf geantwortet, daß er in der kommenden Buchausgabe der „Abrechnung mit Hitler“ an entsprechender Stelle eine ergänzende Fußnote aufnehmen will, um klarzustellen, – daß seine kritische Stellungnahme gegenüber Salzgitter, wie sie seit 1937 richtig gewesen sei, unter den heutigen Verhältnissen nicht mehr aufrechterhalten werden könne. Es wird also die Bedeutung von Salzgitter jetzt voll anerkannt, und es ist zu hoffen, daß die für die Demontagefrage zuständiegen Stellen sich ebenso einsichtig verhalten.