Bei der Neuordnung der Montanindustrie wird man die Lehren zu berücksichtigen haben, die aus dem Streit um das Entflechtungsexperiment zu ziehen sind. Die Rückkehr zum vertikalen Organisationsprinzip, die ja eine wesentliche Forderung des Frankfurter Kommissionsberichts, des sogenannten „Deißmann-Reports“, war, ist bereits in Gesetz 75 verankert. Aber auch in wichtigen anderen Fragen der Neuordnung wird der „Entflechtungsstreit“, der kurz vor Veröffentlichung des Gesetzes Nr. 75 noch einmal in der Diskussion um den Kommissionsbericht einen Höhepunkt erreicht hatte, von Nutzen sein.

In diesem Zusammenhang ist ein Schreiben Deißmanns an Dinkelbach vom 16. November interessant, das eine Entgegnung auf die Dinkelbachsche Kritik am Kommissionsbericht darstellt. In dem Schreiben wird u. a. festgestellt, daß die Treuhandverwaltung – offensichtlich in Konsequenz der Rechtsausführungen des Kommissionsberichts – ihren früheren Stand-, Punkt über den vielumstrittenen Betriebsbenutzungsvertrag aufgegeben hat, Sie will diesen Vertrag jetzt nicht mehr als einen „beiderseitigen Vertrag zwischen selbständigen Rechts-Persönlichkeiten“, sondern als eine „Verwaltungsanordnung“ Ansprechen, die nur innerhalb des treuhänderisch verwalteten Gesamtvermögens der Montanindustrie gewisse vorläufige Verschiebungen vorgenommen hat. Sollte sich diese neue Version der Treuhandverwaltung durchsetzen, so würden sich hieraus unter Umständen weittragende Folgerungen für die vermögensrechtliche Behandlung der in den entflochtenen Werken vorhandenen Aktiven ergeben.

Der Entflechtungsstreit, der mit dem Schreiben Deißmanns seinen vorläufigen Abschluß gefunden haben dürfte, dürfte also in seinen Ergebnissen auch die kommende Neuordnung, befruchten. Es hat sich gezeigt, wie verfehlt der Versuch war, Anordnungen der Militärregierung in die Form scheinbar privatrechtlicher Abmachungen zu kleiden. E. L.