Wir veröffentlichen im Folgenden die Übersetzung einer in der Ausgabe der „Times“ vom 29. Oktober erschienenen Zuschrift sowie die hierzu ergangene Entgegnung von K. P. Harten (Düsseldorf), jeweils mit geringfügigen Kürzungen. Die „Times“ tat den Brief des Mr. John McLaren, um den es sich hier handelt, unter dem Titel „Stahlproduktion in Deutschland – die Notwendigkeit einer strengen alliierten Kontrolle“ veröffentlicht.

Letter to the Editor

Man kann es kaum verstehen, daß neuerdings in zunehmendem Maße der Wunsch geäußert wird, die Demontage deutscher Stahlwerke einzustellen und somit praktisch die ganze frühere Stahlkapazität unberührt zu lassen, die es Deutschland ermöglichte, in einer so bemerkenswert kurzen Zeit wieder aufzurüsten.

Die dafür gegebene Begründung ist der Mangel an Stahl für den europäischen Wiederaufbau. Während der nächsten Jahre aber wird der die europäische Stahlproduktion begrenzende Faktor nicht der Mangel an Kapazität, sondern die Knappheit der Rohstoffe sein. Deshalb würde jede Zunahme der deutschen Stahlerzeugung über das vorgesehene Maß hinaus begleitet sein von einer entsprechenden Produktionsverminderung in anderen Ländern. Der Bericht über die Stahlindustrie, aufgestellt vom A. Die „für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit, kam zu dem Ergebnis, daß die bestehende Kapazität nur dann voll ausgenutzt werden könnte, wenn die Kokszufuhr um 50 v. H. gesteigert würde und außerdem wesentliche Zufuhren amerikanischen Schrottes erfolgten. Der Bericht wies außerdem auf den Mangel an reichen Eisenerzen hin.

Die Rohmateriallage der Gegenwart ist noch schlechter als der Bericht vorraussetzte. Anstatt Schrott nach Europa zu senden, kauft Amerika beträchtliche Mengen von Deutschland und tritt außerdem jetzt als Käufer reicher Eisenerze auf dem Weltmarkt, auf. Das führt zu dem Ergebnis, daß nicht allein die verfügbaren Rohstoffe den gegenwärtigen westeuropäische^-Ansprüchen nicht mehr genügen, sondern daß die Zufuhren sich noch weiter vermindern werden; einmal durch die Anforderungen der amerikanischen Stahlindustrie und zum zweiten durch die zusätzlichen Versorgungsansprüche der zusätzlich in Deutschland verbleibenden Stahlwerke, falls die Demontage eingestellt wird. Man würde also die deutsche Stahlerzeugung steigern auf Kosten derjenigen in Frankreich, England und anderen Ländern.

Wenn man trotz alledem die Demontage abstoppt, so ist es jedenfalls in höchstem Maße wünschenswert, daß die Alliierten eine unmittelbare Kontrolle über die zusätzliche Stahlkapazität ausüben, die den Deutschen dann verbleiben soll. Internationale Kontrolle der Ruhr wäre eine Sicherungsmaßnahme; falls eine solche aber nicht zustande kommen könnte, wäre es die beste Lösung, wenn man die von der Demontageliste zu streichenden Anlagen bestimmten alliierten Ländern zuweisen würde, so daß sie für einen langen Zeitraum von diesen unmittelbar kontrolliert und geleitet werden. Wenn zusätzliche Stahlkapazität in Deutschland deswegen erhalten bleiben soll, weil dies der Bedarf des europäischen Wiederaufbaus erfordert, so ist jedenfalls irgendein derartiges System nötig, um sicherzustellen, daß der zusätzlich erzeugte Stahl auch für den gedachten Zweck verwendet wird und nie wieder für eine deutsche Wiederaufrüstung. Nur so können wir den so sehr begründeten Befürchtungen in Frankreich und anderen Ländern begegnen, die in der Vergangenheit soviel unter deutschen Angriffen zu leiden hatten.

Eine deutsche Entgegnung