In Köln haben die Veranstalter der Leipziger Messe mit westdeutschen Stellen über den Besuch der Frühjahrsmesse 1949 verhandelt. Den Leipzigern geht es dabei um zwei Dinge: ums Geschäft und um den guten Leipziger Namen, den man nicht mit einer reinen „Ostmesse“ identifiziert wissen möchte – wobei der Begriff „Ostmesse“ eben mehr ein propagandistisches Aushängeschild als eine zwangswirtschaftliche Notwendigkeit ist. Und die Westdeutschen ihrerseits wollen einen Markt nicht verlieren. Sie wünschen – und das mit gutem Recht –, daß der politische Eiserne Vorhang nicht auch ein wirtschaftliches Faktum werden möge; denn mit dem Verlust des osteuropäischen Marktes wird sich zwangsläufig auf lange Sicht ein Strukturwandel in der westdeutschen Industrie ergeben müssen.

Es ist zu hoffen, daß die wirtschaftlichen Erwägungen beider Parteien auch bei den Politikern Zustimmung finden werden. Aber geht man nicht bewußt an den Tatsachen vorbei? Sind die Schwierigkeiten zwischen West und Ost nicht schon so groß, daß ein Stand auf der Messe kaum mehr als eine Erinnerungsreklame ist? Es herrscht nun einmal ein Primat der Politik in unseren Zeiten, dem sich die wirtschaftlichen Erwägungen und Notwendigkeiten leider unterzuordnen haben. Harmonische wirtschaftliche Lösungen können nur dann zustande kommen, wenn die Politiker wollen. W–n.