Rechtzeitig vor dem Inkrafttreten der neugefaßten JEIA-Anweisung Nr. 1 mit ihren anerkennenswerten Erleichterungen erfolgte in Hamburg, dem repräsentativen Platz des deutschen Ex- und Importes, ein weiterer Schritt zum seitgemäßen Auf- und Ausbau unseres künftigen Außenhandels: im Saal der Hamburger Börse wurde die Exportbörse eröffnet. Sie wird an jedem Mittwoch von 10 bis 11 Uhr Exporteure und Exportvertreter zusammenführen, die durch persönliche Rücksprache und schnelle, gründliche Arbeit starke Brücken zur Industrie und zu dem ausländischen Abnehmern schlagen wollen.

Die Hamburger Exportbörse dürfte in Deutschland einmalig sein und auch über die Grenzen Hamburgs hinaus, in Westdeutschland, in Süddeutschland und hoffentlich auch bald in der Ostzone, eine grundsätzliche Bedeutung erhalten. Getragen wird sie in Verbindung mit der Handelskammer und dem Verein Hamburger Exporteure, von der Wirtschaftsvereinigung Handelsvertreter und Handelsmakler. Der Vorsitzende dieser Vereinigung, Rosendahl, sagte bei der Eröffnung, daß man dieser Exportbörse eine größere Bedeutung zumessen müsse, als einer vorübergehenden Messe oder Ausstellung. Auf der Exportbörse werden in Zukunft die Kräfte des Exports zusammenfließen, da Hamburg über eine besonders große Zahl von Exporteuren und Exportvertretern verfügt und das Ansehen des hanseatischen Kaufmanns für Deutschland noch heute ein großes Aktivum in der Welt bedeutet. Hamburgs neuer Wirtschaftssenator Prof. Dr. Schiller sagte den Bestrebungen der Exportbörse jede nur mögliche Unterstützung zu. Und so bleibt nur zu hoffen, daß aus den sich anbahnenden Mittwoch-Gesprächen sehr bald dollarschaffende Exporte werden. ww.

Kein Konkurrenzgesichtspunkt

Das neue Einfuhrverfahren für Westdeutschland und die Möglichkeit der Gewährung ausländischer Privatkredite an deutsche Unternehmer standen im Mittelpunkt von Pressekonferenzen, die der stellvertretende Leiter der JEIA, Cahan, u. a. in Hamburg, in Düsseldorf und in Hannover abhielt. Augenblicklich beraten alliierte und deutsche Fachleute über den Ersatz der bisherigen JEIA-Anweisungen 4 und 10, die das Einfuhrverfahren behandeln.

Nach Lage der Dinge wird auf deutscher Seite gehofft, daß mit der Bekanntgabe des verbesserten Einfuhrverfahrens zum 1. Januar oder zum 1. Februar gerechnet werden kann. Eine Beseitigung der umkämpften Dollarklausel ist vorerst nicht zu erwarten. Wie Cahan erklärte, will die JEIA mit der Dollarklausel vermeiden, daß ausländische Interessenten deutsche Waren ohne die Garantie einer Bezahlung durch Auslandsware oder Devisen abnehmen. Auch den bisherigen Umrechnungskurs wird die JEIA nicht abändern. Nach Meinung von Mr. Cahan müssen Ausfuhrschwierigkeiten infolge zu hoher Preise durch ein besseres Kalkulieren umgangen werden. Der privaten Auslandskreditgewährung scheint man bei den alliierten Stellen durchaus positiv gegenüber zu stehen, dagegen wird zunächst noch immer abgelehnt, daß deutsche Unternehmungen Filialen im Ausland errichten.

Mit Interesse wurde aus dem Mund von Mr. Cahan zur Kenntnis genommen, daß es niemals Aufgabe der JEIA sein kann, zugunsten der amerikanischen oder der britischen Konkurrenz dem deutschen Exportkaufmann irgendwelche Schwierigkeiten in den Weg zu legen, und auch in Zukunft will die JEIA alle Konkurrenzgesichtspunkte vermeiden. Darin ist sich Mr. Cahan offenbar mit dem britischen Außenhandelsminister Bottomley einig, der dieser Tage eine gleiche Erklärung vor dem Unterhaus abgab. Dort hatte man Klage über deutsche Exporteure geführt, die nach Meinung britischer Unternehmer in der Schweiz die Preise britischer Waren unterbieten. Wahrscheinlich hatten aber die deutschen Exportkaufleute’ nur den Rat von Mr. Cahan befolgt und ihre Preise „besser kalkuliert“, als es ihre britischen Kollegen taten ... we.

„Nicht stehenbleiben“