In Düsseldorf fand eine interessante Ausstellung von Wer km der Gebrauchsgraphik statt. Von den Ausstellungsleitern wurde darüber geklagt, daß der internationalen Sammlung, die in den Vereinigten Staaten und in Europa sehr beachtet worden ist, von Seiten der Industrie nicht die genügende Aufmerksamkeit geschenkt worden sei. Diese Tatsache findet ihre Erklärung wahrscheinlich nicht nur in künstlerischen, sondern auch in ökonomischen Voraussetzungen; Das Plakat hat seine heutige künstlerische Reife, die es in mancher Beziehung des modernen Malerei, zumal der abstrakten, an die Seite stellt, gerade in den zivilisatorisch intakten und kommerziell fortschrittlichen Ländern entwickeln können, weil dort die Konkurrent zur Anspannung aller Kräfte anreizt – was in Deutschland noch nicht wieder möglich ist. Trotzdem zählen die Namen der Deutschen Alexander Wagner, Wolf D. Zimmermann, Jupp Ernst, Herbert Lange, Tillesen, Krubeck neben denen der Schweizer Fritz Bühler, Herbert Mauer. Donald Brun, Hans Erni und der Amerikaner Giusti, Lewitt-Him – um nur einige herauszugreifen – zu den bemerkenswerten Erscheinungen, die das neue optische Erlebnis der Zeit repräsentieren. Die Engländer spiegeln allzusehr die Old-Home-Tradition, die Franzosen geben mit Toulouse-Lautrec die Quelle an, aus der das moderne Sehen entsprungen ist.

Erst jetzt hat die Hamburger Barlach-Ausstellung. gezeigt welch erheblichen Anteil der Jugendstil an der Entwicklung des modernen Ornaments gehabt hat:-hier ist der Punkt, an dem die Auflösung des alten Sehbildes einsetzte. ist nun bezeichnend, daß die aggressive Reklame der reichen Industrieländer sich gezwungen sieht, die ganze Vielfalt der modernen Malerei im Wettbewerb einzusetzen. Dadurch hat das Auge schon unmerklich eine Handlung erlebt, ohne daß der Betrachter sich dessen bewußt geworden ist. Auf diese Weise nehmen somit Mode und Reklame stärksten Anteil an dem künstlerischen Werden der Zeit. Das Plakat ist gleichsam die Zeitung, das publizistische Organ der modernen Kunst geworden Was von schöpferischen Denkern wie Klee, Baumeister oder Dali an bildnerischen Möglichkeiten errungen worden ist, bezwingt das Publikum weniger in den modernen Ausstellungen als auf dem Umwege über die graphische Gestalt des Plakats, der Annonce oder des Buches. Diese haben dank ihrer wirkungsvolleren Mittel dem Neuen zur Geltung verhelfen. Egon Vietla