Dies ist nun das dritte Stück des englischen Autors Priestley, das in Deutschland gespielt wird. Und bei dieser Komödie „Seit Adam und Eva“, deren deutsche Erstaufführung im Hamburger Thalia-Theater stattfand, erwies es sich wieder: Priestley ist ein ungeheuer geschickter Bühnendichter, voll origineller Einfälle, die er in der bühnenwirksamsten Weise zu dosieren versteht. Diesmal handelt es sich um die Liebe. Gewiß, es ist eine sehr alltägliche Liebe, die Priestley auf der Bühne an einem Paar vorweisen läßt. Das heißt: so wie dort auf der Bühne pflegt man auch im Leben zu „lieben“, vielleicht nicht immer mit so krassem äußerem Ausgang (denn eine Scheidung ist eine aufregende Angelegenheit, vor der der Alltag sich gern drückt), aber mit demselben inneren Fazit. Das war schon seit Adam und Eva so, sagt Priestley, die Paare haben sich kennen gelernt, sich versprochen die Sterne vom Himmel herunterzuholen, und einige Jahre später ist es nur noch die Bequemlichkeit, die sie zusammenhält. Doch sie lieben sich noch immer, behauptet der Autor. Wir wollen es ihm glauben, Sonst wäre es kein Lustspiel mehr. – Priestley arbeitet auf der Bühne mit drei Paaren. Sie spielen wechselseitig sich und den Zuschauern die Liebe vor, erklären, sprechen zum Publikum, suchen nach Auswegen. „Ist dies ein Theaterstück?“ fragt einmal der Sprecher, der gleich darauf eine Rolle übernimmt und nicht mehr Sprecher ist. – Es ist ein Theaterstück, wenigstens zwei Akte lang, da die alltägliche Liebe verdichtet, pointenreich, oft allerdings auch kabarettistisch banal dargestellt wird. Zum Schluß, fällt alles ab, weil Priestley plötzlich merkt, wie gefährlich es ist, moderne Alltäglichkeit zum Thema eines Lustspiels zu nehmen und dennoch heiter bleiben zu wollen.. So wird sein Ende „unwahr“ und rettet dafür die Komödie.

Die Aufführung im Thalia-Theater hatte Arno Aßmann einfallsreich und mit Schwung inszeniert. Evi Gotthardt und Manfred Steffen waren das „Beispiel“, das wirklich erkennen ließ, was Priestley wollte. Sehr geschickt die technische Einrichtung (mit der kleinen Drehbühne) und das Bühnenbild von Fritz Brauer.

Paul Hühnerfeld