Pläne sind weist mit Vorbehalt zu werten. Wenn aber die Vorbehalte mit eingebaut sind, wie jetzt in dem Plan für die französische Zone, der den Rahmen des Marshall-Plans ausfüllen soll, dann kann man wohl mit Genugtuung feststellen, daß „an alles gedacht ist“, und daß die Väter dieser Berechnung auf dem Boden der wirtschaftlichen und politischen Tatsachen stehen. Der Vier-Jahres-Wiederaufbauplan der französischen Zone, der von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas jetzt genehmigt wurde, ist, wie dazu gesagt wird, nur dann in der vorgesehenen Form du durchzuführen,

wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind: Gesicherte Absatzmärkte für die ausfuhrfähigen Erzeugnisse, strenge Währungspolitik, scharfe Kontrolle der Wirtschaft zur Aufrechterhaltung des Verbrauchs innerhalb der vorgesehenen Grenzen. finanziell: Maßnahmen, durch die die Bildung von liquidem Kapital und seine zweckmäßige Anlage begünstigt wird und Fortdauer der Marshall-Hilfe mit Warenlieferungen und Unterstützung der Bildung von Sparkapital.

Sind diese Voraussetzungen gegeben, dann gewährt die Besatzugsmacht, deren wirtschaftliches Sicherheitsbedürfnis auch hier sehr deutlich zum Ausdruck kommt, ihrer Zone folgende Lebensbedingungen: Bis 1952. soll ein Konsumniveau erreicht sein, das 80 v. H. des Lebensstandards, von 1936 nicht übersteigt. Im gleichen Jahr soll eine Inverstitionsquote von 8 v. ff. des Sozialprodukts erreicht.. aber nicht überschritten werden.

Was sieht. nun der Plan an wichtigen Einzelheiten vor? Die Landwirtschaft soll im letzten Planjahr den durchschnittlichen Betrag von 1937/38 erreichen. Der Holzeinschlag ist „bis zu dem Höchststand aufrechtzuerhalten, der mit der Schonung des in der Forstwirtschaft angelegten Kapitals gerade noch vereinbar“ ist (die Franzosen sind die Nutznießer des also weiterhin überdimensionalen Einschlags). In der Industrie sollen die Investitionen so gesteigert werden, daß die Chemie das Niveau von 1936 um 43 v. H., die Stromerzeugung um 26 v H. und die Nahrungsmittelindustrie um 10 v. H. überschreitet, damit der Ausfall der Rüstungsindustrie wettgemacht wird. Ferner ist vorgesehen, den Bestand an Güterwagen um 10 000 gegenüber heute 26 000 zu vermehren. Den Export will man auf 250 Mill. $ insgesamt steigern. Das ist mehr als das Dreifache der augenblicklichen Ausfuhr und 3 v. H. mehr, als der Exporterlös im Jahre 1936 betrug.

Wenn es der französischer. Zone gelingen sollte, diesen Plan zu realisieren, dann können wir mit Genugtuung feststellen, daß – befallen Vorhehalten gegenüber einigen Formulierungen und den dahinter stehenden Absichten die Besatzungmacht die Basis des Potsdamer Abkommens und des ersten Industrieplans verlassen hat. Einige Winke mit dem Dollarsack werden dabei wohl nachgeholfen haben. W–n.