Das Prestige Großbritanniens ist in den letzten drei Jahren katastrophal gesunken, obwohl es am Ende des Krieges höher stand als je in der englischen Geschichte. Jedes Land in Osteuropa, so unwichtig es auch sein mag, schikaniert uns Und droht jetzt frech mit dem Finger.“ Dies wurde im Oberhaus in einer Debatte von den

Lords festgestellt. „Der Eindruck, den dies auf unsere Freunde im Ausland hinterläßt, ist bedauerlich“, sagte der Marquis von Salisbury. „Wir sind vielleicht immer als ein Löwe betrachtet worden, aber jetzt nur als ein alter müder Löwe ohne Zähne und ohne Klauen, der nur am seine Ruhe besorgt ist.“

Diese Feststellung im Oberhaus gilt in Wirklichkeit nicht nur für England, sondern für alle westlichen Demokratien Sie ist absolut richtig, Man scheint sich allerdings über die Ursache einer solchen Entwicklung nicht ganz, im klaren zu sein. Denn Lord Vansittart zum Beispiel schlägt vor, Großbritannien solle die diplomatischen Beziehungen mit Moskau und seinen „Schakalen“ einschränken. Außerdem sollte die Londoner Regierung den Warenexport nach dem Osten als Mittel benutzen, um Rußland und seine Satelliten zu zwingen, sich höflich und anständig zu benehmen.

Daß solche Versuche kaum einen Erfolg haben können, ist augenscheinlich Das Einstellen des ohnehin geringen Handels und die Einschränkung der diplomatischen Beziehungen mit den Ländern des Ostblocks kann auf die Regierungen der – Volksdemokratien keinen Eindruck machen. Von den Völkern aber, – die auf jede Maßnahme der Westmächte achten. würde dies, als ein neues Desinteressement betrachtet werden.

Hier erhebt sich die Frage, ob die Westmächte in den letzten zehn Jahren überhaupt sich eines großen Prestiges in Osteuropa erfreut haben. Wie war es denn? Zunächst erhielten Polen und Rumänien Garantien, den übrigen Ländern in Osteuropa wurden Versprechungen gemacht. Dann kam ungehindert die deutsche Armee. Gegen Ende des Krieges hofften nun diese Län-, der, daß endlich die Garantien und Versprechungen erfüllt würden. Statt dessen marschierte ebenso ungehindert die Rote Armee ein, und zwar mit einer Ausrüstung, die zum Teil aus dem Krimkrieg stammte. Die Mehrheit gab schon damals jede Hoffnung auf. Die Masse in Osteuropa hatte nämlich die Westmächte nicht siegen sehen und glaubte auf Grund ihrer Erfahrungen, sich den Realitäten fügen zu müssen. Doch hofften damals wenigstens die Politiker noch.

Mit den sowjetischen Armeen zogen nämlich in den osteuropäischen Hauptstädten auch die diplomatischen Missionen der Westmächte oder, wenn es sich um ein besiegtes Land handelte, ihre Kontrollkommissionen ein. Sie sollten, so glaubten die Demokraten in den Ländern, für die Einführung wirklicher demokratischer Regierungen sorgen. Bald aber wurde ein großer Teil von ihnen eines Besseren belehrt: Nacheinander wurden in Polen, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien, Albanien und schließlich in der Tschechoslowakei von den Russen kommunistische Regime eingesetzt. Und es ist nicht so, wie allgemein angenommen wird, daß die Westmächte schon in der ersten Zeit, die demokratischen Politiker zum Widerstand ermuntert hätten. Als zum Beispiel die beiden Führer der bulgarischen Agrarpartei Petkoff und Dimitroff, die noch in einer Scheinkoalition mit den Kommunisten standen, einige Monate nach Kriegsende den amerikanischen politischen Vertreter in Sofia aufsuchten und ihn um Intervention gegen die kommunistischen Umtriebe, baten, lehnte dieser Diplomat sogar eine moralische Unterstützung ab. Und er war der Mann, der eigentlich die wichtige Aufgabe hatte, auf die Durchführung der Waffenstillstandsbedingungen zu achten, die Bulgarien verpflichteten, eine demokratische Regierung zu haben.

Nach, dieser Entwicklung, tief enttäuscht und verbittert, glaubte ein großer Teil der Politiker in Osteuropa, keine andere Wahl mehr zu haben als mit den Kommunisten zu kollaborieren, um Schlimmeres zu verhüten. Ein anderer Teil starb oder wird in den zahlreichen Zuchthäusern und Konzentrationslagern als Zeuge der Demokratie sterben – der Demokratie, auf die er vertraut hatte. Nur wenige Glückliche, von denen noch nicht gesagt werden kann, ob sie unverbesserliche Optimisten oder Realpolitiker sind, nahmen den Kampf gegen den Kommunismus aus dem Exil auf.