Von Hans Henny Jahnn

Als die Anker vorm Bug sich abermals am Grund einer Reede verhakt hatten, gingen wir mit dem Kapitän von Bord. Man hätte glauben können, alles sei eine Wiederholung: die Küste, der Platz, die Doppelreihe der Palmen parallel zum Strand, das ansteigende Hinterlands die Boote, die herangerudert kamen, mit Wollballen beladen, die schwarzen Arbeiter. Auch zwei geschlachtete Schafe lagen zwischen der Ladung. Nur die überflüssige Fracht der schwarzen Mädchen, die mit vollen schaukelnden Brüsten den seefahrenden Männern hätten entgegenwirken können, fehlte. (An diesem Platz war die Dressur der Menschen ein wenig anders ausgefallen.) Es war eine andere Station, ein anderer Tag. Andere Menschen. Wir selbst wurden an Land gerudert. Wir wurden durch die Brandung gezogen. Wir wanderten durch die Doppelreihe der Palmen. Wir erweckten die Aufmerksamkeit der schwarzen Bevölkerung. Wir waren willkommene Gäste der hierher verschlagenen Weißen, einige Männer ohne Frauen, zergehende Menschen, die ihre Langeweile, ihr Ungemach und ihre Gier nicht mehr erkennen konnten. Mit ihrem Mund, mit ihrer Küche und ihrem Haus waren sie freundlich zu uns. Vielleicht freute sich – ihr Herz über den Besuch. Es wurde sogleich Gin getrunken. Und Salzmandeln dazu gegessen. Wir tranken wenig. Aber die Händler und der Kapitän tranken viel. Der Kapitän vergaß sein Schiff. Es waren die Vertreter zweier Handelshäuser – es gab deren nicht mehr – und ein Viehzüchter, ein Herr über große Schafsherden, zusammengelaufen. Es hatte nicht den Anschein, daß es viel zu besprechen gab. Man tauschte ein paar Briefe und Papiere aus. Man schwieg dazu. Es war nur eine Handreichung. Ein schwarzer Koch, einer jener unvergleichlichen geschickten Menschen, die die Bedeutung der Stunden genau abzuschätzen wissen, wartete in seiner Küche auf den Trommelschlag der hohen Herren, um sein Können in erhabener Weise zu entfalten.

Nach einer angemessenen Zeit grunzte der Kapitän mit schwerer Stimme ein paar Worte, und die Gastgeber verstanden und rührten die Trommel. Es war an der Zeit. Fast lautlos gingen die Sohlen der Boys über den Boden, der mit Bastmatten belegt war. Und es erschienen die schimmernden wohlgefälligen Inhalte der Konservendosen. Oxfordwürste, Sardinen und Thunfisch, durchwachsener Speck, in Zucker geronnene fast durchsichtige Erdbeeren, wie Rubinglas, und evaporierte Sahne. Frischer Salat prangte grün in einer Schale. Heiße Suppe, herrlich duftend nach Curry, Fisch und vollem Kuhfleisch. Schön gebratenes Vogelwild Man zeigte uns, wie willkommen wir waren, und daß wir das Einerlei des täglichen Daseins niedergebrochen hatten. Der festliche Tag war mit der eisernen Maschinenkraft des Trampdampfers an diesen Strand gekommen. –

Die eineinhalbhundert Palmen an der Küste bildeten eine schöne besäumte Straße, eine zweischenkelige Sackgasse. Nur ein paar Laufwege zweigten zwischen den Büschen und Häusern nach den Hütten der schwarzen Menschen ab. Und es geschah, daß es uns gelüstete, auf dieser Straße hin und her zu wandeln. Der Kapitän schien von weither, aus einer anderen Welt zurückzukehren, als er unseren Wunsch aufgefaßt hatte. Sein Gesicht bedeckte sich mit grauer Sorge. Aber unsere Gastgeber lächelten mit müder Anerkennung. Sie erhoben sich. Es schien ihnen einzufallen, daß sie etwas zu erledigen hätten. Sie gossen etwas Whisky in sich hinein, umstanden uns. Der Kapitän blieb sitzen-

"Es ist ungefährlich", sagte der Herr der Viehherden, "wir werden unsere Augen offenhalten

"Sie brauchen kein Chinin zu schlucken", sagte der eine der Herren Händler. "In keine Hütte gehen", sagte der andere, "Sie sind unsere Gäste, es wird Ihnen an nichts fehlen."

Wir dankten für so viel Freundlichkeit Wir fragten den Kapitän, wann das Schiff in See stechen würde.