Hennecke kann sicher nichts dafür. Wie alle Stars in tragischen Komödien sowjet-zonaler Nachkriegspolitik tat er, was ihm im Drehbuch vorgeschrieben war. Nicht mehr. Das andere war Sache der Regie. Und diese klappte großartig! eine Aktivistenbewegung wurde ins Leben gerufen. Eine Aktivistenbewegung; die einen Dr. Ley vor Neid erblassen ließe, würdig des dynamischen Aufbauwillens der volksdemokratischen Hälfte Deutschlands. Da waren es kaum Schönheitsfehler, daß der Initiator der Bewegung, der ausgerechnet Adolf heißt, auf einer allzu aktivistischen Aktivistenversammlung von reaktionären Arbeitern weit über das zu erfüllende Soll hinaus auf Schultern, Rücken und so weiter geklopft wurde und daß die Produktionszahlen der Zone im November fielen. Auf all das kam es überhaupt nicht an. Hauptsache, es wurde gebennecket.

Es wurde ausgiebig gehennecket. Die "bahn" brechende Leistung" des Kumpels Adolf konnte von Kollegen überboten werden. Die Sachsen gar erfanden eine neue "goldene Fahne", die jeweils dem Betrieb übergeben wird, der sich durch aktivistischen Geist auszeichnet. Aktivisten-Veteran Stachanow schickte zu Weihnachten aus Moskau ein Glückwunschtelegramm. Und die sowjetamtliche "Tägliche Rundschau" verzeichnete in ihrer "Ehrengalerie des Aufbaus" ständig neue Aktivisten; auch aus anderen Industriezweigen, unter denen alsbald nur noch ein großer fehlte: die Reichsbahn. Inzwischen ist selbst dieses Hindernis beseitigt. Die Lokomotiven der Sowjetzone Werden in Zukunft aktivistisch 200 statt wie bisher etwa 104 km täglich fahren. Und das bei einheitssozialistischer Eingleisigkeit. Wahrlich, die Reichsbahnaktivisten verdienen ein besonderes Lob.

Es fällt leicht, eine Satire zu schreiben. Doch abgesehen davon, daß in Deutschland Lächerlichkeit nicht tötet, tut man gut, über der komischen nicht die andere Seite des Falles Hennecke zu vergessen. Er ist ein Glied in jener Kette, die Ostdeutschland vom Westen losreißen und für immer mit dem Bolschewismus verbinden soll. C. J.