"Ach wenn man so in sein Museum gebannt ist und sieht die Welt kaum einen Feiertag, kaum durch ein Fernglas, nur von weitem..."

Faust, I. Teil

Der Rundfunk der USA-Besatzungszone sendet seit einiger Zeit regelmäßig ein recht instruktives Frage- und Antwortspiel unter dem Stichwort: "Der Geschäftsmann fragt, die JEIA antwortet." Da war denn kürzlich folgendes zu hören:

Frage gestellt durch Dr. W. Kaupisch, vom Radio Frankfurt: "Warum arbeitet die JEIA nicht selber Kontrollmaßnahmen gegenüber ausländischen Geschäftsleuten aus, die nach Deutschland kommen und ihre Hotelrechnungen mit D-Mark bezahlen, die sie auf dem Schwarzen Markt ihres Heimatlandes erworben haben?"

Antwort, gegeben von Mr. A. F. K. Schleppegrell, Deputy Chief, Foreign Market’s Branch der JEIA: "Der Fragesteller scheint schlecht informiert zu sein. Geschäftsleute, die nach Deutschland kommen, leben in Hotels, die von der JEIA lizensiert sind, und sie bezahlen dort nur in Devisen-Kupons. Diese Kupons können nur gegen Dollars erworben werden, zum Kurse von 1 DM zu 30 Cents."

Soweit gut, soweit schön. Aber ein solches Maß an Weltfremdheit, wie es Mr. A. F. K. Schleppegrell in seiner Antwort dokumentiert, sollte in einer solch weltoffenen Behörde, wie es die JEIA ist, eigentlich nicht vermutet werden. Hier vergräbt sich offenbar ein Beamter in seinem Büro hinter "Vorgängen" und meint, was nicht in actis stehe, sei nicht in mundo!

Wir erlauben uns deshalb die Anregung, Mr. Logan möge dem Deputy Chief seiner Foreign Market’s Branch gelegentlich die Möglichkeit zu einer kleinen Auslandsreise, zu einem Wochenendbesuch in der "großen Welt" jenseits unserer Grenzen geben, damit er mit eigenen Augen sehen kann, wie, und zu welchem Kurs, dort die D-Mark – zur Auszahlung in Deutschland! – gehandelt wird. Vielleicht wird er dann etwas anders über den Tatbestand denken, um den es sich bei der (freilich ein wenig zu "bequem" formulierten) Frage handelt. Auch Mr. Schleppegrell- wird ja kaum annehmen können, wenn er sich erst durch Inaugenscheinnahme überzeugt hat, welchen Umfang das Geschäft in "schwarzen" D-Mark angenommen hat, daß diese Summen nur zu Liebesgabensendungen für Freunde in Deutschland auf den Weg gebracht werden. Oder daß sie nur an die hier stationierten Angehörigen der Besatzungsmacht fließen, zur Finanzierung ihrer kleinen Einkäufe – keinesfalls aber an Geschäftsleute, die, vom Ausland kommend, hier außer ihrer Hotelrechnung ja auch noch dies und jenes andere zu bezahlen haben ...

G. K.