Der Türkei ist in den Nachkriegsjahren mehr und mehr die undankbare Rolle zugefallen, zu einem Pufferstaat zwischen dem östlichen und dem westlichen Einfluß zu werden. Diese Aufgabe zwingt sie schon seit über acht Jahren zur Unterhaltung eines starken, Heeres, für das im Staatshaushalt 1949 allein 462 Mill. T£ (bei einem Gesamtbetrag von 1,415 Mrd.) vorgesehen sind. Es ist verständlich, daß die hohen Ausgaben für die Landesverteidigung sich in der türkischen Wirtschaftsentwicklung hemmend bemerkbar machen. Hinzu kommt die schwerwiegende und nachteilige Einreihung der Türkei unter die Staaten ohne Kriegsschäden. Aus diesen Gründen stehen die der Türkei aus dem Marshall-Plan zugeteilten 50 Mill. $ in keinem Verhältnis zu den Notwendigkeiten. Man ist in Ankara über die bisherige Auslandshilfe nicht sehr begeistert, da die Erwartungen durchaus nicht erfüllt wurden.

Der Rückgang des Tabakgeschäftes hat sich zum Angelpunkt des Außenhandels der Türkei entwickelt. Jetzt war man in Ankara bereits gezwungen, weitere Einfuhrlizenzen für Waren aus dem Sterling-Block zu unterbinden, nachdem das türkische Sterling-Guthaben in Großbritannien auf weniger als 2 Mill. T£ zusammengeschmolzen ist. Der größte Engpaß der außenwirtschaftlichen Schwierigkeiten ist das anhaltende Absinken des Außenhandelsumsatzes Während die Importe ständig zunehmen,’ gehen die Exporte immer weiter zurück. Die Ursache dieser rückläufigen Entwicklung beruht in der Hauptsache auf dem Verlust des deutschen Marktes, für den man naturgemäß einen geeigneten Ersatz nicht finden kann. Deutschland war vor dem Kriege (1938 mit 40 v. H. der Ausfuhr und 50 v. H. der Einfuhr) wichtigster Handelspartner der Türkei.

Unermüdlich war die Türkei bestrebt, das Geschäft mit Deutschland wieder in Gang zu bringen. Und mit großer Freude wurde – jetzt in türkischen Wirtschaftskreisen der Abschluß des ersten Handelsabkommens der Trizone mit der Türkei begrüßt. Nach diesem Vertrag, der am 1. Januar in Kraft trat und zunächst für sechs Monate gilt, liefert die Türkei Waren für 43,4 Mill. $ an die Trizone, darunter befinden sich vor allem Tabak, Ölsaaten, Baumwolle, Hülsenfrüchte und Trockenfrüchte. Die Trizone liefert wertmäßig für 32,4 Mill. $ Waren, be-– sonders Ersatzteile, Maschinen und Materialien zum Ausbau des Verkehrswesens und der Industrie. Mit diesem Abkommen wurde der türkischen Wirtschaft das wertvollste Weihnachtsgeschenk der Nachkriegsjahre beschert. Sie hofft, daß nun endlich wieder die bewährten deutschen Maschinen ins Land kommen, da die in den letzten Jahren eingeführten ausländischen Maschinen, die im Gegensatz zu dem gewohnten Dezimalsystem angelsächsische Maßbezeichnungen fügten, Schwierigkeiten mit sich brachten. We.