Schwarzer Jahrmarkt hieß die ungewöhnliche Kabarettfolge, in der vor einem Jahr in Berlin Günther Neumann monatelang die deutsche Situation und ihre spezielle Berliner Variante glossierte, Der Film, der jetzt daraus, geworden ist – die Comedia hat ihn am Schauplatz selbst gedreht –, ist mehr als ein kabarettistischer Ulk, wie ihn das mißglückte Experiment Käutners "Der Apfel ist ab" kürzlich anbot. Ein Lied von Berlin singt Neumann – und wie anders sollte es ausfallen als so zwiespältig, voll Lachen, Bitterkeit, Satire, Selbstironie und bisweilen auch sachlichem Ernst, wie eben diese Stadt immer war und wie sie es heute in potenziertem Maße sein muß.

Gewiß, Kabarett läßt sich nicht ins Filmische übersetzen! nach diesem an Gags, Einfällen, Witzigkeiten des Wortes, der Situationen und Gesten fast überreichen Kabarettfilm wissen, wir es nun endgültig. Auch die Einführung der die Einfälle zu einem Handlungsgefälle bündelnden zentralen Gestalt, des Normalverbrauchers, wie ihn mit beinahe chaplinschem Filmgesicht Gerd Froebe darstellt, hat das delikateste Problem – die Aufgelockertheit der kabarettistischen Atmosphäre nicht gelöst. Doch bleibt genug Anschauenswertes in diesem schwarz-weiß-Panoptikum unserer Zeit, das vielleicht gerade den Nicht-Berliner mit einem heiteren und einem nassen Auge aus der "Berliner Ballade" entlassen wird. Hier: wird das Dasein dieser Stadt aus der Perspektive des Jahres 1948 betrachtet, und der unsichtbare, melancholisch-ironische Conferencier, der Bilder und Szenen mit seinem Kommentar begleitet, setzt zwischen die Ansicht der Trümmer, der Kontroversen, der Verleumdungen und der Verdächtigungen, der stillen Überlegungen am Rande der Straßen und in den Cafés die sauber treffenden I-Punkte, die Neumanns Ballade zu weit mehr als einer Moritat von Berlin dieser Tage machen.

Darsteller wie O. E. Hasse, Aribert Wäscher, Tatjana Sais stehen in dem Feuerwerk der Satire, die das Politische mit souveränem Geist überspringt und solchermaßen auf die deutsche Leinwand ein erstes Konterfei des inneren Lebens einer Stadt und ihrer Menschen bringt. Günther Neumann, der geistvolle Kabarettist, hat es mit seinem Regisseur Stemmel geschaffen. Und mag ihn auch das Verdikt treffen: so mache man keinen Film – wenn wir es recht bedenken, bleibt die "Berliner Ballade" doch der bislang erste Versuch eines eigenen deutschen Bildkommentars zur Zeit. K. W.