Es ist genau das eingetreten, was wir befürchtet und wovor wir gewarnt haben: den Nerven der deutschen-Arbeiter im Ruhrgebiet ist zuviel zugemutet. worden. Von der englischen Militärregierung wurde befohlen, mit dem Abbruch der auf der Demontageliste stehenden Werke des Bochumer Vereins zu beginnen, und da sich keine Freiwilligen hierfür. fanden, so sind 21 Arbeiter durch militärischen Befehl zwangsverpflichtet worden. Von ihnen haben nur etwa 12 widerwillig und dem Scheine nach gehorcht. Die Arbeiter des; Werkes haben sich vorbildlich ruhig verhalten und sich bei ihrem eigenen Tun nicht stören lassen.

Doch kann diese Ruhe nicht darüber hinwegtäuschen, daß hier eine schwere Belastung des deutschen Vertrauens in den Westen entstanden ist. Man soll es durchaus ernst nehmen, daß sowohl in dem Telegramm, das Werksleitung und Betriebsrat an Truman gerichtet haben, wie in der Ansprache des Betriebsleiters Muser an die Presseerklärt worden ist, den Nutzen dieser Demontage werde Sowjetrußland haben. Das ist keine Drohung, das ist eine Befürchtung.

Es geht eben nicht an, einerseits den deutschen Arbeiter zu ermahnen, er solle im europäischen Interesse eifrig arbeiten, und ihn anderseits zu zwingen, seine eigenen Arbeitsstätten abzureißen. Der psychologische Zeitpunkt, bis zu dem man dieDemontage ohne Störung des Vertrauensvornehmen konnte, ist vorbei. Einevernünftige Politik müßte sich nach dieser Tatsache richten, denn psychologische Fehler, sind bei der Behandlung eines besiegten Volkes die schlimmsten und folgenschwersten, die man machen kann: jeder Mißgriff muß hier sofort eine Reihe anderer nach sich ziehen. M. R.