Ein Tino-Rossi-Film

Es ist nur gut, daß die Stimme eines Sängers weder durch die Regie noch durch das Drehbuch des Films verdorben werden kann; Ohne die Lieder des berühmten Tenors Tino Rossi wäre der französische Film "Der unbekannte Sänget" (in den Harvestehuder Lichtspielen, Hamburg) von der Mitte ab nicht mehr zu ertragen gewesen. Dabei begann es, als ob ein ganz großer Film vorgeführt werden sollte (wie man dies ja auch von der französischen Produktion heute am ehesten erwarten kann); Der in einem kleinen portugiesischen Fischerdorf lebende Paolo, von dem niemand weiß, woher er kommt (ein Fischer hat ihn auf See in seinem Boot geborgen), wird eines Tages von einem Franzosen entdeckt, der mit seinem Filmwagen herumreist, um. den Menschen in den kleinen Städten und Dörfern die neueste Errungenschaft "Film" vorzuführen. Der geschäftstüchtige Kulturbringer findet die Stimme Paolos für die Untermalung seines Programms ausgezeichnet. – In den Szenen der "Galavorstellung" des Wanderkinos gelingt dem Regisseur André Cayatte eine Verdichtung der Atmosphäre, die wohl kaum noch übertroffen werden kann – jener Atmosphäre aus den Anfängen des Stummfilms, da das Band andauernd riß, das Publikum tobte und ein Stimmungssänger oder Klavierspielerdie Leute beruhigen mußte ... Was der Film jedoch außerdem zeigt (quantitativ sind es fast noch zwei Drittel des Bildstreifens), ist nichts anderes als der aus unzähligen ähnliches Fällen bekannte Aufstieg eines Sängers. Er geht unter der Liebe zweier Frauen, einem bißchen Gedächtnisschwund des Helden, einem prächtigen Bösewicht und – Gott sei Dank – unter vielen Liedern Tino Rossi vor sich. Nennen muß man daneben den Schauspieler Raymond Bussieres, der als Kinobesitzer und Manager des Sängers die beste schauspielerische Leistung dieses Films bot.

Paul Hühnerfeld