Richard-Strauf-aufführung

Die Chemischen Werke Hüls, vordem als "Deutsche Buna-Werke" bekannt, am Nordrand des westdeutschen Industriegebiets gelegen, da, wo der Charakter der Landschaft durch Wald und Heide bestimmt wird, hatten zu einem Oboen-Konzert von Richard Strauß eingeladen. Das große Unternehmen, das 10 000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, hat seinem Produktionsapparat eine nicht minder beachtenswerte kulturelle Abteilung angegliedert, die neben Vergnügen und Unterhaltung auch gelegentliche. Gastspiele der großen westdeutschen Bühnen, und Orchester vermittelt, Für die Aufführungen steht ein von der ganzen Belegschaft errichtetes Feierabendheim mit beneidenswert weitflächigen Anlagen und schönen Sälen zur Verfübung, in deren größtem nun das Städtische Orchester Essen die künstlerische Werksaison mit Bach (Konzert für Oboe, Violine und Streichorchester) und Beethoven (Fünfte Sinfonie) eröffnete.

Zwischen diesen Werken, klassischer Überlieferung nun hörte man erstmalig ein im vorigen Jahr entstandenes, in England zur Uraufführung gekommenes Werkchen des greisen Richard Strauß: ein Oboen-Konzert in drei kleinen, pausenlos ineinander übergehenden Sätzen (Allegro moderato, Andante, Allegro). Kein Werk der großen Schaffensreihe, aber köstlich in der Frische und Phantasie, die ja überhaupt besondere Kennzeichen des altersreifen Meisters sind. Die Faktur des begleitenden Orchesters, das sich im durchsichtigen Satz gelegentlich auf Mozart, im übrigen nicht wenig auf Strauß selbst etwa den des Ariadne-Orchesters – bezieht, läßt dem Soloinstrument reiche Gelegenheit, sich sowohl ausdrucksmäßig wie auch virtuos zu entfalten. Beide Forderungen erfüllte J. Baptist Schlee vom Essener Orchester in einer schlechthin idealen Interpretation. So konnte die aparte Gelegenheitskomposition von viertelstündiger Aufführungsdauer auch vor diesem Auditorium einen lebhaften Erfolg erringen. Die moderne Holzbläser-Literatur aber ist ohne Zweifel um einen vorbehaltlos schönen und dankbaren Beitrag echt Straußscher Prägung reicher.

H, G. Fellmann