Wie die Bilanz der deutschen Hochseefischerei zeigt, war die Jagd nach dem schwimmenden Fleisch und dem Eiweiß aus dem Meer im vergangenen Jahr besonders erfolgreich. Für Deutschland wird der Mangel an Fleisch auch für die nächsten Jahre eine gewohnte Erscheinung bleiben, und man wird sich aller Voraussicht nach dem Verbrauch von Fischen und Fischwaren verstärkt zuwenden. 1947 hatten sich die Anfeindungen der dutschen Hochseefischerei auf rund 280 000 t belaufen (1938 : 669 400 t). Aus den vielseitigen Erfahrungen der Nachkriegsjahre glaubten die zuständigen Stellen der Fischerei, 1948 mit rund 300 000 t rechnen zu können. Als sie jetzt die Bilanz zogen, wurden sie angenehm überrascht: Deutschlands Fischdampfer, Heringslogger und Hochseekutter hatten 373 000 t Fische eingebracht. Das ist ein Ergebnis, auf das, die Männer unserer Fischerei stolz sein können. Möglich wurde es, weil verbesserte Voraussetzungen in der Beschaffung von Ersatzteilen nach der Währungsreform eingetreten waren, die Vergrößerungder Flotte Fortschritte gemacht hatte und eine sehr günstige Dorsch-Saison den Kuttern hohe Fänge brachte.

Rückbauten und Neubauten brachten die Kutterflotte im vergangenen Jahre dem Vorkriegsstand näher. Im Zusammenhang mit dem Dorschsegen fallen daher 1948 (1947: 43 000 t) ihre Anlandungen mit 83 000 t erheblich ins Gewicht. Die Dampferflotte wurde durch Reparaturen durch Rückbauten aus dem Marinedienst und ferner durch (leider nur sehr wenige) Indienststellungen von Neubauten von 143 auf 181 Dampfer gebracht. 1938 hatten wir immerhin 365 Fischdampfer in Fahrt. Bei der heutigen Zahl muß berücksichtigt werden, daß die Mehrzahl der Dampfer überaltert ist und sehr viele kleine, und damit unrentable Dampfer vorhanden sind,

Da das, Hauptgewicht der deutschen Fischfänge aber von der Fischdampferflotte eingebracht wird, macht sich der schleppende Bau und – die einschneidende Größenbeschränkung der Dampfer für die Gesamtentwicklung der deutschen Fischerei sehr unangenehm bemerkbar. Die Fischdampfer landeten im vergangenen Jahre 250 000 t Fische an. 53 v. H. der Anlandungen bestanden aus Frischfisch, die restlichen 47 v. H. stellte die Heringssaison. An der Spitze der führenden drei deutschen Hochsee-Fischmärkte steht auch, in diesem Jahre Bremerhaven mit 118 000 t (1947: 86 200; 1938: 275 900). Cuxhaven liegt an zweiter Stelle mit 74 000 t (1947: 68 800; 1938: 136 800). Den dritten Platz nimmt Hamburg-Altona ein. Hier wurden 57 000 t Fische gelöscht. Im Jahre 1947 waren es 50 500 t und 1938 142 400 t. –

Ähnlich wie die deutschen Eigenanlandungen erfuhren auch die Fischeinfuhren eine überraschende Steigerung. Sie ist so ungewöhnlich (und soll anscheinend im laufenden Jahr noch weiter erhöht werden), daß man sich fragen muß, ob es nicht zweckmäßiger wäre, der deutschen Fischereiflotte die Chance des schnelleren Ausbaues und damit erhöhter eigener Fänge zu geben, statt für ungewöhnlich hohe Fischeinfuhren wertvolle Dollars auszugeben, für die man wichtigere Rohstoffe einführen könnte. 1948 belief sich die Fischeinfuhr auf 286 349 t. 1947 waren es nur 113 219 t und 1938 198 437 t. An der Spizte der Einfuhrländer steht Norwegen (133 008 t). Es folgend Island (65 866), Großbritannien (58 070), Neufundland (11.060) und mit geringeren Mengen Schweden, die Niederlande, Dänemark und Belgien. Erfreulich ist die Bevorzugung der Einfuhr von Heringen, die gegenüber dem Frischfisch nicht nur preisgünstig, sondern im Hinblick auf das Fett und das tierische Eiweiß für Deutschland von besonderer Wichtigkeit ist.

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