Sorgen um den Forscher Butenandt – Es fehlt Geld für Arbeitsmittel

Die deutsche Wissenschaft ist wiederum in Gefahr, einen empfindlichen Verlust zu erleiden. Professor Adolf Butenandt, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biochemie und Leiter des Instituts für physiologische Chemie an der Universität Tübingen, hat einen Ruf nach Basel erhalten. Nicht nur ihm selbst, der vor allem auf dem Gebiet der Hormonforschung Bahnbrechendes geleistet hat, sondern auch seinem gesamten Mitarbeiterstab werden in der Schweiz die großzügigsten Arbeitsmöglichkeiten geboten. An ihrem bisherigen Arbeitsplatz fehlen ihnen eine. Reihe der wichtigsten Apparate und Instrumente, die zwar früher dort vorhanden waren, die aber in den ersten Wochen nach der Besetzung Abtransportiert wurden. Ein Forscher kann seinem Lande auch mit der schönsten patriotischen Geste nicht dienen, wenn sie mit dem Verzicht auf zureichende Arbeitsmöglichkeit bezahlt wird. Man sollte also in solchen Fällen, anstatt unbillige Forderungen an den "edlen Charakter" des Umworbenen zu stellen, lieber danach trachten, sich über die Verpflichtungen, klar zu werden, die das "Vaterland" solchen Persönlichkeiten gegenüber seinerseits zu erfüllen hat. Von unserer Armut zu reden, ist angesichts derartiger Aufgaben nicht mehr ganz zeitgemäß. Flüchtlinge, Währungsreformopfer und sonstige Bedürftige brauchen damit, weiß Gott, nicht beschwert zu werden, solange noch (vielmehr wieder) für vorbestellte Restaurationstische zur Silvesterfeier 50 DM und 100 DM verlangt und bezahlt werden, und zwar bei solchem Andrang, daß viele Interessenten zu ihrem tiefsten Kummer nicht mehr berücksichtigt werden konnten. (So in Hamburg, 1948.)

Um Professor Butenandt und seinen Mitarbeitern in Tübingen die fehlenden Arbeitsmittel zu beschaffen – also in erster Linie die unerläßlichen Apparaturen zu ersetzen – ist eine Summe von 150 000 DM erforderlich. Eine Zeitungsnachricht, nach der dieser Betrag von Staats wegen zur Verfügung gestellt würde, ist unzutreffend – wie könnte es anders sein. Der Staat hat lediglich den freiwilligen Spendern. Steuerbegünstigung zugesichert. So hat denn der Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen zu freiwilligen Spenden aufgerufen, die auf das Girokonto Nr. 9225 der genannten Fakultät bei der Kreissparkasse Tübingen einzuzahlen sind. Kann Professor Butenandt in Tübingen weiterarbeiten oder muß er – um sein Werk weiterführen zu können – nach Basel? Die Antwort auf diese Frage liegt bei uns selbst.

–th