Auch im Ausland hat sich in den letzten Jahren die Überzeugung durchgesetzt, daß Teppiche nicht zur Luxusproduktion gehören. Vielleicht ist diese Erkenntnis die Ursache, daß in den Vereinigten Staaten die Teppichindustrie augenblicklich einen ausgesprochenen Boom erlebt. In den USA bestehen rund 30 Teppichfabriken, unter denen sich sechs Großunternehmen befinden. Der Wert ihrer Jahreserzeugung wird auf rund 400 Mill. $ geschätzt. Das Ansteigen der Preise für Wolle und Baumwollgarne und das Ansteigen, der Löhne haben’seit 1939 in den Staaten eine – Preiserhöhung für Teppiche von rund 70 v. H. hervorgerufen. Obwohl der Preis eines normalen Wollteppichs mit 80 $ für den "Durchschnittsamerikaner" recht hoch ist, besteht eine sehr hohe Nachfrage, die die Produktion nicht befriedigen kann. Und-schon jetzt machen sich indische Importteppiche als Konkurrenz empfindlich bemerkbar.

Die Schwierigkeiten der britischen Teppichindustrie liegen in dem Mangel an Jute begründet. Noch sind die Jutespinnereien Schottlands nicht in der Lage, genügend Garne für das Grundgewebe zu liefern. Es bleibt daher fraglich, ob das zeitweilig bereits erreichte monatliche Exportziel von 1 Mill. £ gehalten werden kann. Auch in diesem Fall nutzt das Ausland die Produktionsbehinderung erheblich aus, und zum Erschrecken der britischen Produzenten liegen die Auslandsangebote im Preis erheblich unter der britischen Ware;

Westdeutschlands Teppichindustrie hat ähnliche Sorgen. Hier tritt neben dem Mangel an Jute vor allem. der empfindliche Mangel an Wolle in den Vordergrund. Das Schwergewicht der deutschen Teppichindustrie liegt im Verein nigten Wirtschaftsgebiet in Nordrhein-Westfalen. Weitere große Fabriken haben in Hameln, Hannover und Fulda ihren Sitz. Insgesamt sind zwölf Betriebe dieser Art vorhanden, die früher nach Südamerika, Südafrika, Frankreich, England, Holland und u. a. nach Norwegen und der Schweiz erheblich exportierten. Die Wiederaufnahme des Exports ist recht schwierig, denn in der Zwischenzeit haben die früher von Deutschland aus versorgten Märkte andere Lieferanten gefunden. Nur in einem ganz geringen Maße konnten bisher Exporte nach der Schweiz und nach Finnland abgewickelt werden. Viele Geschäfte scheitern an der Dollarklausel und an dem hohen Preis der deutschen Ware, demgegenüber der Vorkriegszeit leider um 100 v. H. gestiegen ist.

In den rückliegenden Nachkriegsjahren war die Teppichindustrie der Westzonen hauptsächlich auf Lohnarbeit angewiesen, die im Auftrage der Besatzungsmächte durchgeführt wurde. Auch das Bergarbeiterprogramm brachte eine gewisse. Belebung. Die Lieferungen für die Besatzungsmacht, mit denen, die zwölf Fabriken ihren Betrieb notdürftig erhalten konnten, bilden, noch heute den Hauptbestandteil ihrer. Produktion, obwohl die Währungsreform auch dieser Industrie eine gewisse Erleichterung brachte. Zur ausreichenden Deckung des umfangreichen Inlandsbedarfes ist eine Beseitigung der Rphstoff-Beschaffungsschwierigkeiten erforderlich. Vor allem müßte es möglich sein, gewisse Spezialgarne aus dem Auslande einzuführen. Dann wird man auch wieder in einem größeren Umfange an einen Export deutscher Teppiche denken können, denn schließlich war diese Industrie einstmals eine der exportintensivsten Sparten der deutschen Textilindustrie. ww.