Das Zweizonen-Kontrollamt hat, wie dpa dieser Tameldete, seine Bedenken gegen die Beibehaltung des 30-Cent-Kurses angemeldet. Auf Grund von preisstatistischen Untersuchungen, die in einer Bipartite-Denkschrift zusammengefaßt sind, wird gesagt, daß nach den "wider Erwarten" im letzten Halbjahr eingetretenen Preiserhöhungen selbst ein Kurs von 25 v. H. nicht mehr gerechtfertigt erscheine... Damit ist also sogar das Bremer Gutachten übertrumpft und die-Verwaltung für Wirtschaft, die am 30-Cent-Kurs festhalten möchte, vor eine neue Entscheidung gestellt. Daß übrigens gute Gründe für den heutigen Kurs angeführt werden können, zeigt der folgende Artikel, den uns Dr. H. Posse zur Verfügung gestellt hat.

Die Frankfurter Verwaltung für Wirtschaft hat bereits darauf hingewiesen, daß bei einer Entscheidung über den optimalen Umrechnungsbin nicht nur die Kaufkraftparitäten, sondern auch andere volkswirtschaftliche – insbesondere Währungs- und exportpolitische – Momente berücksichtigt werden müßten. Sie deutete zutreffend an, daß auf verschiedenen Gebieten, die bei einem niedrigeren Umrechnungskurs sich ergebenden erweiterten Ausfuhrmöglichkeiten fragen der beschrankten Produktionskapazität sich kaum realisieren lassen, würden.

Für die kommende Auseinandersetzung sind zwei weitere Gesichtspunkte wichtig. Es ist, gegenüber den aus Exportkreisen ausgesprochenen Sorgen, recht interessant, in der Praxis zu beobachten, daß der Import in der letzten Zeit mit zunehmendem Umfang an den 30-cts-Kurs "heranwächst". Die Not scheint auch hier erzieherisch zu wirken. Zur Begründung dieser Erscheinung sollen nicht etwa die statistischen Zahlen der Gesamt- wie der Fertigwarenausfuhr herangezogen weisen. Sie sind nicht beweiskräftig genug, weil in ihnen noch diejenigen Ausfuhrstimmen enthalten sind, deren Kontrakte nach dem früher gültigen, günstigeren Verfahren abgerechnet wurden. Die Gewöhnung an den 30-cts-Kurs beginnt nun aber auch Exporte zu ergreifen, für deren Abrechnung der heutige Kurs gilt, und dehnt sich nach dem Urteil der mit der Abwicklung des Außenhandels betrauten amtlichen Stellen auf Warengruppen aus, bei denen man bisher gemeinhin die Unmöglichkeit der Ausfuhr zu einem Umrechnungssatz von 30 cts annahm. Auch das Bremer Gutachten verschließt sich dieser Tatsache; nicht, wenn es davon spricht, daß "die deutsche Ausfuhr in ihrer heutigen Zusammensetzung bei 10 cts dem ausländischen Wettbewerb vielleicht noch gewachsen ist".

Der Nachdruck liegt in der Bremer Arbeit auf der Überlegung, daß der Export in dem für Deutschland zur Devisengewinnung erforderlichen Umfang ohne eine Erhöhung des Markkurses nicht gesteigert werden kann. Die Untersuchung geht naturgemäß an der Frage nicht vorbei, welche Rückwirkung eine Kursänderung auf den Preis der Einfuhrware und dadurch indirekt auch auf das Exportprodukt ausübt. Sie kommt zu Beim Ergebnis, daß "rechnerisch die Änderung des Umrechnungssatzes von 30 auf 27 cts eine Erhöhung des volkswirtschaftlichen Preisstandes und der Lebenshaltungskosten um höchstens 2,5 v. H. bedingt". Sie fügthinzu: "Mit Hilfe von geld- und preispolitischen Maßnahmen sollte es möglich sein, bei Herabsetzung" des Umrechnungssatzes auf 27 cts den allgemeinen Preisstand keinesfalls um mehr als 3 v. H. steigen zu lassen". Hier will uns die in Bremen angestellte Forschung ein wenig zu "rechnerisch" – um nicht zu sagen: dogmatisch – erscheinen. Ganz abgesehen davon, daß die Wirkungsmöglichkeit der erwähnten geld- und preispolitischen Mittel nach unseren Erfahrungen doch zweifelhaft ist, und daß auch eine Erhöhung des Kostenniveaus um nur 3 v. H. der angestrebten Verbilligung entgegenarbeiten und hemmenden Einfluß auf den Export ausüben muß, glauben wir, daß die Bremer Arbeit die kostenverteuernde Einwirkung der angeregten Dollarherabsetzung auf die Ausfuhrware unterschätzt. Exportprodukte, irdenen ein erheblicher Teil ausländischer Rohstoffe verarbeitet ist, würden stärker im Preise anziehen, und auch sonst würde sicherlich die von dem Bremer Gutachten Zugegebene generelle Erhöhung der Preise für Einfuhrwaren um 11 v. H. sich nicht so leicht abfangen lassen, wie man es sich vorstellt. Das hieße aber, auf lange Sicht, die mit dem Kurswechsel für den Export vorübergehend verbundenen Vorteile in ihr Gegenteil zu verkehren.

Das war die eine Zusatzbemerkung; sie betraf die Verteuerung des Importproduktes. Die zweite soll sich auf die Kostenlage im Inland beziehen. Mit diesem Problem hat sich das Bremer Gutachten nicht beschäftigt, weil es außerhalb der ihm gestellten Aufgabe liegt. Unzweifelhaft wäre die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit für die deutsche Ware auf den ausländischen Märkten durch Verbilligung des Produktionsprozesses einer Veränderung des Umrechnungskurses mit ihrer Kostensteigerung für des Außenhandel vorzuziehen. Weiter muß bestritten, werden, daß in Fabrikation und Verteilung die Möglichkeiten einer rationelleren Betriebsweise erschöpft sind. einer solchen rationelleren Produktion dürfte es zuzuschreiben sein, wenn in den vergangenen Monaten der Export mit größerem Umfang sich an den 30-cts-Kurs herangearbeitet hat. Hier bleibt auch für die Zukunft, insbesondere mit Hilfe der nach der Währungsreform ermöglichten besseren Versorgung des Marktes im Inland mit Produktionsmitteln, Bau- und Hilfsstoffen, Facharbeitskräften u. a., so mancher kostensparende Weg beschreitbar. Er ist mit Erfolg beschreitbar, wenn es gelingt, die bis. zu einem gewissen Grade bestehende Lethargie und Passivität des Durchschnittsunterehmens zu überwinden. Wenn nicht alles täuscht, wird auch die Preisentwicklung dazu verhelfen, Sie ist außerhalb der deutschen Grenzen – so glauben wir entgegen der in das Bremer Gutachten aufgenommenen Prognose – zum mindesten stabil, wenn nicht weiter langsam steigend, und ihr Höhepunkt durfte in Deutschland bereits erreicht und vielleicht sogar überschritten sein.

Die Bremer Untersuchung, die sich selbst als zeitgebunden bezeichnet, weist darauf hin, daß "manipulierte Kurse eine laufende Beobachtung der in den ökonomischen Bedingungen eintretenden Veränderungen voraussetzen". Wenn man sich in den amtlichen Stellen zu einer Herabsetzung des Umrechnungskurses heute nicht erschließen kann, so sollte doch jedenfalls die Statistik der Exportabschlüsse schleunigst geschaffen werden, damit man bei einer Sturmwarnung dieses Barometers sofort mit einer Kursänderung einzugreifen vermag. Die Grundlage für eine volkswirtschaftlich fundierte Betrachtung des gesamten schwierigen Problems der Kaufkraftparitäten und des Umrechnungskurses geschaffen zu haben, ist das Verdienst des Bremer Gutachtens.