Die Zerrissenheit im Kontrollrat-Deutschland hat auf dem Gebiet der postalischen Einrichtungen zu Kuriositäten geführt, für die selbst in der Zeit der Thurn-und-Taxis’schen Post nur schwer Beispiele zu finden sein dürften. Daß die sowjetische Zone in dieser Hinsicht "führt" Wird kein Erstaunen hervorrufen. Leider muß gesagt werden, daß die französische Besatzungzone sich bemüht, dem nachzueifern. Wer etwa eines Tages in Bacharach den Zug verläßt, um in dem reizenden Städtchen den neuen Jahrgang Zu probieren, und dabei auf die Idee kommt, seinen Freunden davon Kenntnis zu geben, darf nicht seine etwa mitgeführten "bizonalen" Postwertzeichen verwenden. Er würde feststellen, daß dieser Kartengruß aus Bacharach die Empfänger sehr verschnupfte, da sie Strafporto zahlen müßten. Er hätte ja auch wissen müssen, daß die Postwertzeichen der französischen Zone nicht in der Doppelzone und die der Doppelzone erst recht nicht in der französischen Zone Gültigkeit haben.

Das neueste auf diesem Gebiete ist, daß sich die französische Zone sehr gewandt um die Einführung der Steuermarken für das "Notopfer Berlin" drückt. Treu und brav – und vor allem mühselig – werden in der Doppelzone alle Postsendungen mit der vorgeschriebenen Steuermarke versehen. Nur die Postsendungen, die uns aus der französischen Zone erreichen, tragen keine blaue Marke. Man erklärt recht unglaubhaft, daß die Postämter bisher die notwendigen Steuermarken nicht geliefert erhalten haben. Wie rücksichtslos dieser Zustand von gewissen "Geschäfts"-Leuten ausgenutzt wird, beweist, daß Mannheimer Firmen, die zur Verwendung der Steuermarke verpflichtet sind, weil sie zur amerikanischen Zone gehören, den Weg zum Postamt nach Ludwigshafen nicht scheuen, um in der französischen Zone ihre Postsendungen aufzuliefern und damit die Verwendung der Notopfer-Marke zu umgehen. Es sei, durchaus zugegeben, daß die Verwendung dieser Steuermarken für die Geschäftswelt von zeitraubender Umständlichkeit ist. Man hätte auch einen zweckmäßigeren Weg finden können, um das gleiche Ziel zu erreichen. Trotzdem bleibt aber zu hoffen, daß das beschämende Mannheimer Beispiel nicht Schule macht.

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