In einem der letzten Schnelldenker-Turniere des NWDR, betitelt "Autoren gegen Belesene", war Norbert Jacques mit von der Partie. Er wußte alles, was man ihn fragte, und wurde Sieger.

Nach außen tut so mancher Rundfunkhörer, als vergäbe er sich etwas, den "Schnelldenkern" zuzuhören, die alle zwei Wochen einmal im Hamburger Sender vor dem Mikrophon sitzen, als betrieben sie nur ein sonntagnachmittägiges Faule de mieux. Doch im heimlichen Innern verzehrt ihn die Ungeduld nach der Sendung, die vermutlich die volkstümlichste, des NWDR ist und ganz sicher einen großen Hörerkreis umfaßt.

Gewiß braucht man das "Turnier der Schnelldenker" nicht bitter ernst zu nehmen. Aber, Sauertöpfe, ist es nicht eine amüsante Sache, die Stammen unbekannter und bekannter Menschen in die Atmosphäre zu werfen, aus der sie als Niederschlag interessanter psychologischer Pikanterien, manchmal mit der Würze belustigender Einfälle und Versager, vor den Ohren der Hörer ankommen! Die unter den Habitués, die an der Einordnung Spaß haben, werden die grundsätzliche Verschiedenartigkeit männlicher und weiblicher Reaktion gebucht haben: wie die Frauen, weniger von Phantasie geplagt, von Natur aus zweckgebundener denkend, auch rascher "denken", während die Männer allzu weit ausgreifen und für die "Ewigkeit prägen wollen.

Aus einer dieser Sendungen weiß ich, daß der älteste nachgewiesene "Schnelldenker" kein Geringerer als Homer war, der freilich versagt hat, worüber er sich. so erregt haben soll, daß er daraufhin starb. Ihm wurde von Fischerknaben folgende Frage vorgelegt: "Wenn wir sie fangen, töten wir sie; wenn wir sie nicht fangen, nehmen wir sie mit nach Hause!" Weil er die Frage nicht von der Tätigkeit der Frager her zu lösen vermochte, kam er nicht darauf, daß die Jungen ihre Läuse meinten.

Unser heutiges Spiel mit dem Denken im Rundfunk ist Import aus Angelsachsen. Aber dort ist das "Quiz" eine enzyklopädistische Angelegenheit geblieben. Der antwortet am besten, der am fleißigsten im Konversationslexikon liest. Der Leiter der Turniere im NWDR aber, Hans Gerdberg, stellte die Sendung allmählich auf ein blitzendem Parkett. "Durch eine Führung, die eigene prompte Reaktion mit liebenswürdigem Eingehen vereint, wirft er seine Fragen wie ein geistiges ,,Juckpulver" zwischen’-die sechs Schnell-Zenker und liefert das Spiel dem anregenden Wechsel von Erraten, Erdenken, Erkombinieren und Wissen aus, ab und zu gepfeffert mit humorvollem Steckenbleiben, wie wir es in geradezu klassischer Weise in einem Turnier der Musiker erlebten. Da erkannte einer der bedeutendsten Kapellmeister des Landes Musikpassagen nicht wieder, die er selber wiederholt dirigiert hatte; aber mit pikanter und bezaubernder Geistreichelei kehrte er das Versagen des Gedächtnisses. – oder nennen wir es: das Versagen des Bereitseins seines Wissens – in einen individuellen Punkt" für sich, weil er sein Nichtwissen hinter einem Witz versteckte.

Das Gegenbeispiel lieferte einer der bekanntesten Conferenciers, der, ohnmächtig eine Frage zu beantworten, seine Theatertechnik einsetzte, um mit fortwährend sich selber zerfetzenden Sätzen, deren Bruchstücke er wie Bälle in das Publikum warf, einen "Publikums-Punkt" zu erhaschen (denn die Aufnahmen zu den Sendungen der Schnelldenker-Turniere sind öffentlich).

Vor kurzem konnten die Schnelldenker bereits mit der 35. Sendung ihr zweijähriges Bestehen feiern.