Bei den notwendigen Importen möglichst vielin Form von Rohstoffen einführen, möglichst wenig ab Fertigerzeugnisse: das ist der auf deutscher Seite immer wieder geäußerte Wunsch, wie ja auch umgekehrt angestrebt wird, die geforderten Ausfuhren nach Möglichkeit nicht in Form,von Kohle, Schrott und Holz, sondern in "arbeitsintensiven" Erzeugnissen der Verfeinerengs- und Veredelungsstufe zu leisten. Leider ist es bisher nochnicht zur Regel geworden, daß wir nur Weizen aus den USA erhalten, da die dortige Mühlenindustrie es immer wieder durchgesetzt hat, mit erheblichen Mehlzufuhren eingeschaltet zu werden. Auf dem Gebiet der Sojaeinfuhr ist aber nun eine Entscheidung ergangen, die ein wichtiges Präjudiz schafft. Mit dem 30. September sind, wie aus New York berichtet wird, die Lieferungen von Sojamehl und -öl eingestellt und die USA liefern ab 1. November aus der neuen Ernte ausschließlich Sojabohnen. Begründet wurde die Entscheidung damit, daß es im Interesse der amerikanischen Gresamtwirtschaft liege, wenn derart durch die Lieferungen der Farmer ein Beitrag zur Stabilisierung der europäischen Verhältnisse erfolge. Insgesamt sollen, wie "Public Ledger" sich aus New York melden läßt, von der neuen Ernte (6,45 Mill. t) etwa 160 000 bis 270 000 t nach "Deutschland und Japan" (soll wohl heißen: nach den Marshall-Plan-Ländern) ausgeführt werden. Der einheimische Bedarf der USA, der mit maximal 5,7 Mill. t (einschließlich Saatgut) angegeben wird – vornehmlich für die Ölgewinnung, geringere. Mengen für Eiweißmehl zur menschlichen Ernährung und zu Viehfutter – könnte also auch dann noch voll gedeckt werden. Nach neueren Meldungen wird Westdeutschland 100 000 t (von insgesamt 300 000 t vorgesehener Ausfuhr nach Kategorie A) an Sojabohnen erhalten, dazu vielleicht noch weitere Mengen in Form von Sojaprodukten. Das wäre also ein gutes Kompromiß.

Inzwischen hat, man in den Westzonen, als es sich darum handelte, erhebliche Mengen des aus den USA gelieferten Sojamehls "unterzubringen", den wenig glücklichen Versuch gemacht, einen "Beimischungszwang" zum Brot zu dekretieren, was nun wieder – wie jeder Zwang – den Unwillen der Beteiligten, also in erster Linie der Bäcker, hervorgerufen hat. Ernährungsphysiologisch handelt es sich bei der Beimischung natürlich nicht um eine Verschlechterung, sondern im Gegenteil um eine Anreicherung des Brotes. Auch vom backtechnischen Standpunkt her ergibt eine solche Beimischung, sofern sie nicht-über die geforderten 10 v. H. wesentlich hinausgeht, keine Schwierigkeiten, wie durch Backversuche (speziell in Hamburg und in Mannheim) einwandfrei nachgewiesen worden ist? ebenso lautet das Urteil von Prof. Pelshenke-Detmold für die "Arbeitsgemeinschaft für Getreideforschung".

Erklärlich wird die negative Haltung der Bäcker gegenüber dem Beimischungszwang zu einem Teile dadurch, daß gleichzeitig mit Sojamehl auch (und in gleichen 10prozentigen Mengen) Maismehl und Erdnußschrot, dieses von ausgesprochen minderwertiger Qualität, verbacken werden mußten, – und dies zu einer Zeit, als allgemein "besseres" Brot verlangt wurde.

Sollte sich späterhin nochmals – was ja beim Hereinkommen von Sojabohnen und deren Verarbeitung zu Vollsojaprodukten mit natüülichem Fett- und hohem Eiweiß-(Lezithin-)gehalt, wie sie nun hoffentlich im Regelfalle erfolgt, nicht zu erwarten ist – die Notwendigkeit ergeben, größere Mengen an Sojamehl unterzubringen, so wird man wohl gut daran tun, aus den Erfahrungen dieser Zeit zu lernen und dieses Mehl nicht den Bäckereien aufzuzwingen. Man sollte ihnen vielmehr einen Anreiz, dazu geben, was durch entsprechende Preisgestaltung oder über eine begünstigte Anrechnung- auf Brotgetreidemehl leicht möglich ist, ihr Brot durch freiwillige Beimischung von Sojamehl anzureichern, mit dem gleichzeitigen Vorteil, daß eine gleichmäßige feine Porung und eine gute Bräunung der Kruste erzielt wird, bei höherer Teig- und Brotausbeut., Also: Hinweis auf Vorteile und eigenen Nutzen, an Stelle, von Zwang – und damit volle Anerkennung der hohen erriährungsphvsiologischen Wertigkeit der Soja, anstatt einer Diskreditierung diese für uns wegen seines Gehalts an hochwertigem Eiweiß so besonders wichtigen Nahrungsmitteis! n.f.