Eine für die Entwicklung der gesamten deutschen Industrie lebenswichtige Frage, die Begrenzung der Stahlkapazität, ist noch wie vor ungeklärt. Auf deutscher Seite hat man alle Hoffnungen auf die Amerikaner gesetzt, die die Initiative ergriffen haben, am diese Grenze zu erhöhen. Daher ist man in westdeutschen Wirtschaftskreisen vielfach enttäuscht, daß das Sechsmächte – Kommuniqué über die Ruhrkontrolle wieder die 107 Mill.-t-Grenze erwähnt. Auch in diesem Punkt glaubte man ein Nachgeben der Amerikaner zu sehen. Ein genaues Studium des Kommuniques legt aber den Schluß nahe, daß die Entscheidung hierüber noch längst nicht gefallen ist. Zunächst läßt die Formulierung des betreffenden Satzes deutlich den Charakter eines Kompromisses erkennen. Dort heißt es wörtlich: "Es wurde festgestellt, daß zur Zeit im Bereich der Doppelzone eine Begrenzung der Erzeugung von Rohstähl auf 10,7 Mill. t in Kraft ist." Es hieße diplomatische Gepflogenheiten unterschätzen, wenn man es nur als einen Zufall betrachten würde, daß dieser Satz alle Wege für eine Neuregelung offen läßt. Indirekt wird die gleiche Frage aber auch in dem Passus über die zukünftigen Aufgaben der Ruhrbehörde angeschnitten, indem dort gesagt wird, daß diese Ruhrkoks und Stahl zwischen dem deutschen Verbrauch, und dem Export aufteilen soll. Erstmalig wird hier von höchster alliierter Seite vom Export von Stahl gesprochen. Dem Industrieplan liegen aber nach den ausdrücklichen Feststellungen zuständiger Alliierter Berechnungen zugrunde, in denen kein direkter Export von Stahl berücksichtigt ist.

Als nach Verkündung der Demontageliste eine deutsch-alliierte Kommission zusammentrat, um die Streitfrage der noch vorhandenen Stahlkapazität zu klären, wies Professor Nölting (auf der Sitzung vom 13, November 1947 in Düsseldorf) darauf hin, daß die 10,7 Mill. t Rohstahl auf keinen Fall für Inlandsverbrauch und Export ausreichen würden. Klar und eindeutig wurde ihm; damals von dem britischen Vertreter, Mc Laren, geantwortet, daß der alliierte Plan von der Voraussetzung ausgeht daß 10,7 Mill. t Rohstahl für die deutsche Wirtschaft ausreichen würden und daß diese Tonnenzahl nur den indirekten Export von Stahl einschließe – z. B. in der Form von Maschinen, – Wenn die Ruhrbehörde also für die Zukunft den Export von Stahl vorsieht, so wäre damit die Voraussetzung für die 10,7 Mill.-t-Grenze gefallen. Es bleibt jedoch offen, inwieweit die Verhandlungen der Alliierten in dieser Hinsicht bereits positive Ergebnisse gestiftet haben Vielleicht hängt damit das weitgehende Nachgeben der Amerikaner in der Ruhrkontrolle zusammen. R.