Wie gestaltet sich das Ausfuhrgeschäft der Ostzone heute? Um es vorwegzunehmen: mangelhaft. Es soll nichts mit – ost„gestellten“ und meist bestellten – Zahlen bewiesen sein; die Tatschen sprechen für sich. Die Preise sind zu hoch in dem Begehren, einen möglichst hohen Devisenerlös zu erzielen, der auf dem Papier bleibt und dem Exporteur womöglich den Vorwurf, der „Sabotage“ einträgt. Warum? Die Preise waren unkaufmännisch, ohne Rücksicht auf den Wettbewerb am Weltmarkt „festgesetzt“, und zwar nicht zu besten. Umrechnungskursen (etwa 0,30 Dollar), sondern mittels sogenannter „Koeffizienten“, die bei den einzelnen Warengruppen je nach deren vermutlichen „Seltenheitswert“ zwischen etwa 0,18 (für Textilien) und 0,58 (für hochwertige Apparate wie Röntgenröhren) schwanken: das heißt also z. B., eine solche Röhre, die 300 Ostmark kostet, soll für 176 Dollar verkäuflich sein. Diese Berechnungsmethode laßt auf irgendwelchen, irgendwann einmal erzielten „besten“ Preisen, die in Karlshorst festgesetzt und auf Senkungsanträge nach Wochen geändert worden sind, oder auch nicht! Selbst bei Waren gewissen Monopolcharakters, wie Strümpfe, Keramik, Glas n. ä. wird bei solchen Preisgebarungen der ausländische und bizonale Wettbewerb geradezu gezüchtet, und viele Betriebe sind nach dem Westen abgewandert, um z. B. die cheirische Industrie dort mit Glasgefäßen zu beliefern und das Auslandsgeschäft von dort neu aufzubauen,wozu der Marshall-Plan seine Hilfe gibt. Karlshorst aber, die russische wie auch die deutsche Zentralverwaltung des Groß- und Außenhandels, schweigen weiter.

Doch nicht genug damit! Die formale Seite der „Plan“-Wirtschaft überwiegt alle materielle Geschäftsgestaltung. Als besonders hemmend und wenig kaufmännisch sei a. B. die Tatsache hervorgehoben, daß übliche Akkreditive, auch gesperrt und mit langem Ziel, nicht – von Karlshorst, nach Wochen – genehmigt werden, weil man wohl eine einseitige Verschuldung auf den Clearingkonten befürchtet: nicht mit Unrecht, aber aus anderen Gründen, weil eben die Deckung durchrasche Ausfuhr, wie oben dargestellt, unmöglich gemacht wird. Selbst reine Kompensationsgeschäfte „in sich“, bei denen also die Deckung sicher wäre, werden auf diese Weise unmöglich.

Wo also bleibt der eigentliche Anreiz zur Ausfuhr? Etwa im Devisenbonus, den man auch in der Ostzone kennt? Mitnichten! Trotz ausdrücklicher Zusage wird er vorenthalten, nicht gerade auch zur Freude der Arbeiterschaft, die auf zusätzliche Einfuhr von Lebensmitteln hofft. Die Einfuhrplanung berücksichtigt nur das rußlandhörige Osteuropa und nur für Produktionsgüter, die wieder unter Ausbeutung der Arbeitskraft Industriewerte schaffen sollen, nicht aber Konsumwaren. Aus Dänemark reichlich angebotener Fisch wird, da „nur“ zum Verbrauch – bestimmt, nicht hereingelassen, obwohl die Bevölkerung wirklich hungert. Sgt.