In drei Stufen soll sich der wirtschaftliche Zusammenschluß zwischen Frankreich und Italien vollziehen. So heißt es in den Verlautbarungen, die anläßlich der Arbeitsaufnahme der „Kommission für die Zollunion“ in Paris durch M. Hervé Alphand und Signöre Grazzi ergangen sind.

Die erste Etappe, die Vereinheitlichung der Zolltarife, glaubt, man bereits binnen Jahresfrist erreichen zu können. Nach fünf oder sechs Jahren soll die völlige Freiheit im wechselseitigen Außenhandel geschafft sein: ohne Ein- und Ausfuhrverbote, ohne Kontingentsbegrenzung, ohne Devisenkontrolle. Für die dritte, schwierigste Etappe, nämlich die Schaffung der Währungsunion, nennt man vorsichtigerweise zunächst noch keinen Termin. Daß man aber überhaupt an. diese schwierige Aufgabe herangehen will, läßt erkennen, mit welchem Ernst und welcher Entschiedenheit das Problem „Zollunion“ jetzt zunächst angepackt werden soll. Anders gesagt: in Rom wie in Paris scheint man aus den Erfahrungen in der Benelux-Union die Lehre gezogen zu haben, daß es mit einer Vereinheitlichung des Zolltarifs (und der Verbrauchssteuern) eben noch nicht getan ist, daß man vielmehr, wenn ein einheitliches Wirtschaftsgebiet geschaffen werden. soll, konsequenterweise bis zur Währungsunion vorstoßen muß – was also auch bedeutet, daß die gesamte Wirtschaftspolitik einheitlich geführt werden muß, daß also am Ende der Entwicklung eine politische Union stehen wird ... Ganz klar ist ja: eine Zollunion, deren Glieder eine verschiedenartige Preis-, Kredit- und Währungspolitik betreiben würden, verdiente diesen Namen nicht und könnte auch keinen Nutzen bringen. Die Koordination auf wirtschaftspolitischem Gebiete und, ebenso ausschlaggebend, die Einheitlichkeit in der Haushaltsführung (weil die äußere und innere Währungs- und Preisstabilität ja u. a. auch von der Budgetgestaltung abhängt) ist aber ohne politische „Gleichschaltung“ nicht Zu erzielen. Will man also nicht bloß einen einheitlichen Zolltarif nach außen haben, sondern wirklich einen wirtschaftlichen „Großraum“ schaffen, unter definitivem Fortfall der Zollgrenze zwischen den Partnerländern, so bedeutet das, im beiderseitigen Verhältnis, die Aufgabe der Souveränitäten, oder vielmehr ihre Verschmelzung zu einer Einheit höherer Ordnung

Hier Gegen naturgemäß die Beratungen Schwierigkeiten für die weiteren Beratungen während der Ausgleich zwischen verschieden gelagerten Interessen demgegenüber eine relativ einfache Angelegenheit ist. Im Falle Frankreich–Italien handelt es sich dabei vor allem darauf die Überproduktion an Waren zu „steuern“, die Öl- und Weizenpreise anzugleichen und, auf industriellem Gebiet, in der Stahlproduktion wie auch im Automobilbau. zu einer gewissen Art beitsteilung (auch zu einer Annäherung der Produktionskosten und damit der Preise) zu kommed. An all dem wird die Union kaum scheiterst

Je stärker in einem Land, die Tendenz ausgeprägt ist, die Wirtschaft nicht nur planend und lenkend zu gestalten, sondern sie auch im Detail von Staats wegen „führen“ zu wollen, um 94 schwieriger wird es naturgemäß sein, die politischen Kräfte dieses Landes zu Konzessionen und Kompromissen zu bewegen, wie sie bei einer Koordinierung der eigenen Wirtschaftspolitik mit der des Partnerlandes, auf dem Wege, zur ökonomisch-politischen Union, nun einmal notwendig sind. Daß Interventionismus und Kollektivismus jeglicher Prägung die stärksten Hemmnisse für die Schaffung von Unionen bilden, hat ja Röpke vielfach, dargelegt. So ist es für den kundigen Beobachter kaum weiter verwunderlich, daß nicht etwa irgendwelche konkurrenzgefährdeten Interessenten in der Unternehmerschaft die schärfsten Gegner der Wirtschaftsunion Paris–Rom sind, sondern – die Gewerkschaften, vor allem das kommunistisch geführte CGT. Ei spricht von einer „schweren Gefahr“ für! die Arbeiterschaft beider Nationen, weil nämlich mit der Verwirklichung der Union eine der wichtigsten Etappen des Marshall-Planes realisiert werde ... Das ist sogar richtig, aber nur insofern, als es tatsächlich in den Rahmen des ERP hineinpaßt, wenn Italien und Frankreich ihn Wirtschaft (und ihre Wirtschaftspolitik) koordinieren. Daß dergleichen aber auf Kosten der Arbeiterschaft in beiden Ländern gehen werden ist eine Behauptung, die dem CGT wohl keines ihrer Mitglieder – der französische Arbeiter ist ja nun einmal kritisch – „abkaufen“ wird, solange die Beweise dafür fehlen. Und sie werdet! kaum zu erbringen sein... G. K.