Die Redaktion hat einen steuerkundigen Mitarbeiter um eine Stellungnahme zu der Frage gebeten, ob die Vermutung zutrifft, wonach, viele Betriebe den Elös aus dem Verkauf solcher Waren, die bei ihnen nach dem 20. Juni mit niedrigen Wertansätzen „zu Buch standen“, weitgehend als „Gewinn“ behandelt, ihn also zu persönlicher Entnahme oder auch zu Investitionen verwandt haben. Aus der Rückäußerung auf diese Anfrage, die wir hier veröffentlichen, ergeben sich nicht nur interessante betriebsund steuerwirtschaftliche Folgerungen, sondern auch wichtige Erkenntnisse für die Wirtschaftspolitik, Zweifellos sind viele Unternehmen (u. a. auch deshalb, weil die VfF in Bad Hornburg es verabsäumt hat, rechtzeitig nach dem 20, Juni Bilanzierungsrichtlinien herauszugeben) der Selbsttäuschung verfallen, ihre Gewinne für größer zu halten, als sie es wirklich waren. Siehaben stille Reserven aufgelöst und wie echte Gewinne verwendet, teils verbraucht, teils zu Investitionen verwandt, die selten produktiv, fast nie rentabel sein mögen.

Bei diesem Verfahren ist es nicht weiter verwunderlich, daß die allgemeine Übernachfrage-Konjunktur kräftig genährt wurde. Die Analyse dieser Vorgänge führte aber zugleich zu der Erkenntnis, daß die Quellen, aus denen die Übernachfrage der letzten Monate gespeist war, allmählich versiegen müssen. Also erweist sich die Meinung, wonach das „schwarze“ (oder leichtverdiente) Geld, immer weiter zirkulierend, auch immer weiteren Unfug anrichten müsse, als nicht haltbar, und das ist nun für. die weiteren geld- und kreditpolitischen Maßnahmen recht bedeutungsvoll.

Bisher ist überhaupt keine einwandfreie Gewinnermittlung seitens der Unternehmungen gewährleistet. Alle finanzamtlichen Prüfungsergebnisse beweisen, daß die Gewinnermittlung sich durchweg in einem dichten bilanzrechtlichen Nebel vollzieht. Und das ist ja auch kein Wunder. Überleitungsbilanzen sind regelmäßig noch nicht aufgestellt. Begreiflich, wenn man die beachtliche Reine ungeklärter Fragen überschaut, die den Kaufmann zögern lassen, sich bilanzmäßig festzulegen. Für die Vierteljahreserklärungen braucht er die Überleitungsbilanz nicht unbedingt (obwohl das Gesetz sie ausdrücklich auf diesen Zweck festlegt!). Denn er hat die Möglichkeit, den Gewinn durch Schätzung zu ermitteln. So wartet er lieber gleich auf die endgültige Eröffnungsbilanz, deren Richtlinien aber erst in Arbeit sind, und die voraussichtlich zu dem kurzen Idealzustand einer wirklichen Identität von Handels- und Steuerbilanz führen wird.

Bis dahin aber ist alles amorph. Es gibt kein Steuerlich einwandfreies Ende der Reichsmarkzeit – siehe Problem Schlußbilanz – und einen sehr verschwommenen Beginn der D-Markzeit – siehe Überleitung- bzw. Eröffnungsbilanz. Dabei kann der Unternehmer den klaren Blick für die Lage des Betriebes natürlich nicht haben, der so notwendig wäre. Kein klares Bilanzbild spiegelt ihm zurück, was zu tun. und was zu lassen sei Fast alle Geschäftsführung vollzieht sich so aleatorisch.

Man kauft und verkauft, aber man disponiert nicht in dem Sinne einer planenden Zukunftsgestaltung. Kann man es denn? Ein Federstrich in Homburg bei der Abfassung der Richtlinien für die Eröffnungsbilanz kann jedes Kalkül über den Haufen werfen. Die Zweifelsfragen, die sich bei der bilanzrechtlichen Umstellung ergeben, sind umfangreich und reichlich kompliziert. Sie haben anfangs zu lauter und lebhafter Diskussion und schließlich zu einem mehr oder weniger leichtsinnigen „laisser aller“ geführt. Einstweilen macht man Geschäfte und sieht nur Erträge an vielen Stellen sogar reiche Erträge. Man freut sich ihrer, ohne in Ermangelung eines von Zeit zu Zeit warnenden Bilanzspiegels in allen Fällen darüber nachzudenken, daß diese Erträge nicht immer Gewinnen gleichzusetzen sind Erträge sind in erster Linie die mobilisierten Reserven des Unternehmens, die ihren Sinn nur in der Umschichtung und in der Legung neuer Reserven finden können. Statt dessen wird mit den Erträgen – von denen wie gesagt, noch gar nicht feststeht, ob sie echte Erträge gleich Gewinne sind – zweierlei gemacht: Sie werden konsumiert, oder sie werden investiert. Im ersten Falle treten jene gefährlichen Wirkungen ein, die unserer Währungspolitik so große Sorgen machen. Im zweiten Falle gibt es in dem Streben, mit den Investitionen einen „Druck“ auf den Gewinn zu verbinden, häufig bedenkliche Fehl- und Überinvestitionen. Die „Investitionen um jeden Übermit dem Schielen nach $ 7a EStG ist nicht weniger gefährlich alt die Unterlassung von Investitionen überhaupt. Es ist immer etwas faul daran, wenn nicht reine wirtschaftliche Erkenntnis, sondern die Suche nach dem geringsten steuerlichen Widerstand die Maßnahmen der Betriebsführung diktiert. Nun gibt es aber auch dabei schon so etwas wie einen circulus vitiosus im Verhältnis von Steuer und Wirtschaft. Durchgehauen werden muß der Knoten auf der Seite des Steuerrechts!

Ist es da zuviel gesagt, wenn wir behaupten, daß der Unternehmer, in dem Bestreben, den Steuerfiskus zu „betrügen“, vielfach sich selbst betrügt? Wir glauben es nicht. Wir vermuten, daß es eines Tages ein böses Erwachen aus dem Traum der Prosperität geben wird, selbst wenn wir von dem Lastenausgleich zunächst einmal absehen. Stellen wir das gewonnene Bild aber auch noch in diesen Rahmen, dann wird es geradezu düster.

Was kann man anderes tun als immer wieder zu warnen, damit die Gaukelei auch dort erkannt werde, wo es am nötigsten ist! Man kann immer nur wieder fragen, warum eine schleppend arbeitende Gesetzgebungsmaschine dem Kaufmann das Leben so schwer, die Arbeit der Finanzämter so kompliziert und die ganze Lage so besorgniserregend machen muß... G. S.