In einer Novelle „Der Fremde“ (Übersetzt von Georg Goyert, Karl Rauch Verlag, Boppard) beleuchtet der große Franzose Albert Camus mit erzählerischer Brillianz einen Menschen von heute, Herrn Meursault: eine Gedankenmaschine mit gelegentlichen animalischen Regungen, eiskalter Verstand, kein Gefühl, kein Gemüt, kein Glaube. Dieser Fremde negiert seine Umwelt, den leeren Mechanismus ihrer Lebensform, ihre Empfindungen. Er will die Freiheit, nichts als die Freiheit, Gleichgültigkeit und nicht Anteilnahme ist seine – Lebenssehnsucht. Aus Zufall begeht er einen Mord In seiner Zelle, am Tage kurz vor seiner Hinrichtung ist er wahrhaft glücklich. Der Dichter zeichnet damit gleichermaßen eine Charakterstudie wie eine Karikatur des modernen Individualisten westlicher Prägung. Und man kann annehmen, daß es ein Warnruf sein soll in der dunklen Not dieser kalten Welt. EM.