Drei Filme in Hamburg

Wenn unter das von der Militärregierung für den Westen ergangene Verbot sämtlicher Publizistik aus der Ostzone in Zukunft auch die DEFA-Filme fallen sollten, wäre das bedauerlich; denn was im Westen bisher aus den Filmateliers der DEFA gezeigt wurde, war immer ein Beweis dafür, daß dort in Berlin Routiniers des deutschen Films arbeiten. Mehr noch: „Die Mörder sind unter uns“ und „Ehe im Schatten“, beide aus dieser Produktion, wären Höhepunkte des deutschen Nachkriegsfilms, und der jetzt in Hamburg (Urania-Filmbühne) angelaufene Jungenfilm „1-2-3 Corona“ bestätigt erneut das hohe filmische Können der Leute aus den Babelsberger Ateliers.

Gewiß wälzt dieser Film keine großen Probleme. Er zeigt eine Schar – Berliner Jungen um das Mädchen Corona – echte jungen trotz der schweren Jahre 1945/46 und einem bißchen Schwarzhandel, den sie treiben. Sie haben die Köpfe voller Ideen und Hände, sie in die Tat umzusetzen. Wer sie in ihrer Sorge und Unbekümmertheit, ihrem Verantwortungsbewußtsein und ihrer Ausgelassenheit zugleich sieht, glaubt ihnen gern für die Länge eines Films ihre unglaubliche Geschichte. – Eva Ingeborg Scholz ist das Mädchen, um das sich alles dreht, Hans Leibelt und Herbert Hübner sind ein alter (aber im Herzen ganz junger) Arzt und ein unverständigverständiger Studienrat, die die Bande bei ihren Plänen unterstützen; Hans Müller, führt die Regie in diesem Film, der nicht nur echten Jungen, sondern auch echten Erwachsenen viel Freude machen wird. Hühnerfeld

Heute also ist es soweit, daß man im Vorspann der wievielten? diesmal französischen Verfilmung von Alexander Dumas père Roman „Der Graf von Monte Christo“ sich für eine gewisse Romantik des Geschehens und der Darbietungentschuldigt. So sitzt der Zuschauer zunächst mit gemischten Gefühlen davor, doch findet er es bald sehr sympathisch, daß alles so einfach geregelt ist: die Schurken sind richtige Schurken (man sieht es ihnen gleich an) die Braven sehen auch so aus, und am Schluß werden die Guten belohnt. Wortgetreu und mit anhaltender Spannung erzählt dieser Regina-Film der abenteuerlichen Story ersten Teil (der zweite folgt im Waterloo-Theater, Hamburg). Nachhaltigen Eindruck hinterläßt die erregende Realistik der Kerkerszenen, die besonders sinnfällig machen, wie weit es Menschen treiben, Menschen zu quälen. Ein effektvoller Filmstreifen mit guten französischen Dialogen (weniger guten Untertiteln) und ausgezeichnet geführten Schauspielern. Regie Robert Vernay.

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Man hat zwei Möglichkeiten in dem Film „Dein ist mein Herz“ (Blossom Time, im Capitol, Hamburg); nicht hinzusehen und noch einmal die große Stimme Richard Tauben in seiner unnachahmlichen Interpretation von „Dein ist mein ganzes Herz“ zu hören und in vielen, anderen schönen Schubert-Liedern. – Wenn man aber hinsieht, so muß man es aushalten können. Am erträglichsten sind noch die Szenen, in denen Tauber als Schubert ganz unfilmisch auf dem photographierten Konzertpodium Lied auf Lied singt. Alles übrige ist bewährter Wiener Rührkitsch (auf englisch) mit dickem Zuckerguß, ohne jede neue Nuance. Neu und sehr gelungen ist die Synchronisation durch die Rhythmoton Film-Produktion. EM