Wer Sorgen hat, hat auch Likör, meinte Wilhelm Busch, derfreilich damals nicht Ahnen konnte, daß wir uns diesen Seelentröster erheblich abgewöhnen würden. Seine Herstellung Ist ein Zuckerproblem und erfolgt daher nur in verschwindenden Mengen. Wie steht es aber in Zukunft mit dem Trinkbranntwein?

Nüchterne Zahlen geben Auskunft. Der Vorkriegsverbrauch betrug zuletzt 6 1/2 Flaschen jährlich auf den Kopf der erwachsenen Bevölkerung. Was die Monopolverwaltungen der britischen Zone im Oktober, erstmals wieder seit 1945, den Spirituosenherstellern zuteilten (bis 40 v. H. der monatlichen Verarbeitungsmenge von 1938/39), bedeutet eine Flasche Schnaps für 8 Personen. Bis Ende Dezember erfolgte eine zweite Zuweisung, die sogar nur 10 v. H. betragen hat. Die Betriebe haben jedoch noch einen schmalen Ausweg. Ihnen stehen 30 v. H. der bei ihnen am 30. September lagernden Alkoholbestände aus eigener Erzeugung zur Verfügung, soweit es sich um Sprit aus Schadgetreide und Getreideabfällen handelt, ferner bis 40 v. H. der Weinbrand- und 100 v. H. der Obstbranntweinbestände. Das geht vornehmlich Süddeutschland und das Rheinland an; Nord- und Nordwestdeutschland gehört der Kornbrennerei. In der Ostzone schließlich beherrschen die Kartoffelbrenner das Feld. Bei den bekannten Weinpreisen bleibt überdies Weinbrand eine teure Angelegenheit. Dagegen scheinen französische Spirituosen durch ungenannte Kanäle zollfrei einzufließen.

Rund 300 000 hl reinen Alkohol (Weingeist) könnten die 650 Kornbrenner der britischen Zone jährlich produzieren, wenn sie 100 000 t Getreide bekämen. Daran ist nicht zu denken, denn für menschliche Ernährung verwertbares Getreide darf nicht gebrannt, werden. Gerstenschleifmehl, Maisschälkleie, Maiskeimschrot, Maiskeimextraktionsmehl und Milomehl liefern bei gleichen Unkosten mäßige Ausbeute: 15 bis 20 1 Weingeist je dz statt 34 bis 35 1. bei gutem Getreide. Kartoffeln stehen in diesem Jahr zwar zur Verfügung, aber Kornbrennereien können sie wegen der fehlenden Anlagen schlecht brennen.

Man hoffte, daß die Militärregierung Importgetreide, in erster Linie Mais, freigeben werde; die Knappheit an Brotgetreide läßt jetzt hinter die Hoffnung ein großes Fragezeichen setzen. Eine Zuweisung von Monopolsprit wird im Januar nicht erfolgen; in den folgenden Monaten hängt sie einstweilen in der Luft. Wenn trotzdem. Schnaps auf dem Markt erscheint, so aus „hintergründigen“ Quellen und – teuer.

Der heutige Mindestpreis der Brennereien von DM 7,50 je 7/10-Flasche versteht sich für den einfachen Trinkbranntwein, der durch ein Destillat seinen Geschmack erhält. Darin stecken DM 3,67, die als Steuer und Preisspitze an die Monopolverwaltungen gehen. „Steinhäger“ und andere Markenprodukte sind teurer, weil sie doppelt gebrannt werden. Für die Kalkulation der Brenner sind bestimmend: Erhöhter Kohlenpreis (11 Getreide brennen = 1 t Kohle), erhöhte Rohstoffpreise, vermehrte Gesamtunkosten durch ungenügende Kapazitätsausnutzung.

Die vom Zweimächtekontrollamt genehmiget Steuer von 1000 DM je hl Weingeist entspricht nicht den deutschen Wünschen. Doch – war der britische Hinweis, daß drüben eine Flasche Whisky 32 Schilling koste, ein gewichtiges Argument. Zusammen mit dem knappen Angebot macht dieser Satz das Schwarzbrennen wieder lohnend. Schwarzbrennen beeinträchtigt aber unsere Ernährungswirtschaft, weil die sonst anfallende Schlempe in die Gosse geht. Große Mengen an Milch, Butter und Fleisch sind auf diesem Wege schon in den letzten Jahren verloren gegangen.

Die Brenner und Destillateure der britischen Zone protestierten kürzlich gegen eine Anordnung, mit der die Preisspitze von 350 auf 380 DM und der Branntweinaufschlag von 130 auf 250 DM pro hl erhöht wurde. Der Protest erfolgte, weil man wieder einmal vom grünen. Tisch aus dekretiert hatte, ohne sich mit den Beteiligten in Verbindung setzen, und dürfte aus diesem Grunde die Öffentlichkeit angehen. Die Erhöhung wurde im ersten Falle damit begründet, daß nie Monopolverwaltungen von der 1000-DM-Steuer neuerdings Umsatzsteuer abführen müßten – eine Steuer auf die Steuer! Im Falle des Branntweinaufschlages (er wird den Sprit erhoben, den der Brenner in eigener Regie verarbeiten darf) wurde überhaupt keine Begründung gegeben. Die Forderung nach einem Monopolbeirat erscheint danach berechtigt!

Für die Bergarbeiter ist es beim steuerbegünstigten Flaschenpreis von DM 3.00 bis 3.40, je nach Qualität, geblieben. Der Monatsverbrauch belief sich bisher auf 600 000 bis 700 000 Flaschen, Über die Lieferungen an die Besatzungsmächte liegen keine amtlichen Zahlen vor, doch scheinen sie in letzter Zeit nachgelassen zu haben. Das Auslandsgeschäft liegt seit dem Kriege still. Die Steinhagener Brennerei Wittenborg hat allerdings den Ring durchbrochen. – Sie erhielt den ersten Exportauftrag des westdeutschen Spirituosengewerbes. K. Sch.