Aus dem Munde des britischen Gouverneurs von Nordrhein-Westfalen kam eines Tages das harte Wort von der angeblichen „Benzin-Vergeudung“ in den deutschen Westzonen. Dem Wort folgte die Tat auf dem Fuße: gegenüber dem vierten Quartal 1948 wurden die Zuteilungen an Diesel-Kraftstoff um etwa 20 und die Zuteilungen an Vergaserkraftstoff um rund 7 v. H. gekürzt. Diese harte Maßnahme stehtohne Zweifel in einem krassen Mißverhältnis zur Steigerung des westdeutschen Produktionsvolumens. Wenn die Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands kürzlich davon sprach, daß das ständig steigende Produktionsergebnis der Wirtschaft nach einem guten Verkehrsapparat geradezu schreie, so kann dieser Hinweis mit gleicher Berechtigung auch; für den Straßenverkehr in Anspruch genommen werden.

General Bishop hatte von einem „hemmungslosen Treibstoffverbrauch“ in der Doppelzone gesprochen und gesagt, daß er zu den Einschränkungen, denen sich die britische Bevölkerung unterwerfen müsse, in einem krassen Gegensatz stehe. Man müßte dem General recht geben, wenn man den wirklich erstaunlichen Kraftwagenstrom nur oberflächlich betrachtet, der’sich über die „Kö“ in Düsseldorf, über den Jungfernstieg in Hamburg, über den Bahnhofsvorplatz Stuttgart und über die Zeil in Frankfurt ergießt. Aber sollte nicht selbst der ausländische Betrachter sehr leicht feststellen, daß die Masse der Fahrzeuge den Besatzungstruppen, den Militärregierungen und Ausländern gehört? Und Großbritannien, mit einer Bevölkerungszahl, die knapp 25 v. H. über derjenigen der vereinigten Westzonen liegt, erhält 40 v. H. des (west-europäischen) Treibstoffkontingents; die Westzonen bekommen ganze 5,7 v. H.

Ohne Zweifel muß zugegeben werden, daß in Deutschland – und zwar in allen vier Besatzungszonen – Benzin „schwarz“ angeboten, gekauft und natürlich auch verfahren wird. Aber man weiß auch, daß man bei uns (nach dem Muster von Zuckerrübenschnaps) illegales Benno nicht „fabrizieren“ kann. Die in Deutschland hergestellten und nach Deutschland eingeführten Treibstoffmengen liegen genau fest. Wenn dirüber hinaus Treibstoffe angeboten werden, so können sie in der Hauptsache doch wohl nur alliierten Lagern entstammen und aus ihnen über dunkle Kanäle die durch Maßnahmen deutscher Behörden kaum gedrosselt werden können, in den Handel gelangen.

Den Hauptschaden aus der Zuteilungskürzung hat die deutsche Wirtschaft, wenn man auch bemüht ist, sie Zum großen Teil auf Personenkraftwagen und Krafträder, abzuwälzen. Zu befürchten bleibt trotzdem eine gewisse Lähmung der westdeutschen Wirtschaftsinitiative, die mit den Zielen des Marshall-Planes wohl kaum in Übereinstimmung zu bringen ist. Zu befürchten ist aber außerdem eine Belebung des Treibstoff-Schwarzmarktes. Denn die nicht im Machtbereich deutscher Stellen „arbeitenden“ Schwarzhändler werden kaum daran Anstoß nehmen, daß sie durch ihr Tun das deutsche Ansehen weiterhin schädigen. ww.