Die „Polizeiaktion“ gegen Indonesien sei notwendig gewesen, so sagen die Holländer, um die Brutstätten des Kommunismus zu vernichten und die Ausbreitung der kommunistischen Unruhen zu verhindern. Der große indische Staatsmann Pandit Nehru, auf dessen Einladung sich in dieser Woche die Vertreter von 20 Staaten in Delhi versammelt werden, um über die Vorgänge in Indonesien zu beraten, ist im Gegensatz hierzu der Meinung, daß gerade das Verhalten der Holländer einen wirksamen Kampf gegen den Kommunismus unmöglich machte.

Das eigentliche Kraftpotential der asiatischen Länder liegt in der Erregbarkeit und Intensität ihrer nationalen Impulse – wem es gelingt, mit den geeigneten Parolen diese schlummernden Kräfte zu wecken und für sich nutzbar zu machen, der verfügt über ungeahnte Macht. Die Kommunisten haben mit der Devise von der Befreiung der unterdrückten farbigen Völker und dem Kampf gegen den Kolonialimperialismus sich viele Anhäger in Asien erworben und eben diesem Propagandafeldzug, dem die Holländer dauernd neue Nahrung bieten, will Pandit Nehru entgegenwirken. Die kommende Konferenz hat nicht den Zweck, die farbigen Völker gegen die weißen zu mobilisieren, denn dann hätte Nehru Australien und Neuseeland nicht miteingeladen; noch will sie einen geschlossenen asiatischen Block errichten, denn darin hätte man die asiatischen Sowjetstaaten und die kommunistisch angehauchten Länder Viet Nam und Malaya nicht übergehen: können, sondern Nehru will – darüber scheint kein Zweifel – mit einer scharfen Verurteilung des holländischen Vorgehens durch alle freiheitsliebenden Staaten Asiens und Ozeaniens den Kommunisten den Wind aus den Segeln nehmen.

Da fast alle Konferenzteilnehmer gleichzeitig loyale UNO-Mitglieder sind, ist nicht anzunehmen, daß in Delhi Sanktionen gegen Holland beschlossen. werden, weil man das als Einmischung in die Kompetenten der UND empfinden würde. Aber es werden zweifellos gewisse „Forderungen aufgestellt werden und es würde sich empfehlen, daß die westlichen Großmächte Holland darauf hinweisen, daß es nicht ratsam sei, diese Resolutionen mit derselben Gleichgültigkeit in den Wind zu schlagen, mit der die Beschlüsse des Sicherheitsrates überhört wurden.

Dff