Im Long-Term-Plan werden die erforderlichen Investitionen im Gebiet der Westzonen (bis 1953) auf über 8 Mrd. $ geschätzt, die durch innerdeutsche Kapitalbildung (in DM also), aufzubringen wären. Der Plan selbst erwähnt das verhältnismäßig geringe Einkommen der deutschen Bevölkerung, den großen Bedarf an Gebrauchsgütern aller Art und die hohen Steuersätze als Begründung für die Auffassung, daßdiese beträchtliche Summe nicht auf dem Wegedes „freiwilligen“ Sparens aufgebracht werden könne, zumal die gesamte wirtschaftliche Entwicklung im Ausland und in Deutschland mit vielen Unsicherheitsfaktoran belastet sei. Es wird daher die Einführung von Zwangsmaßnahmen empfohlen: diese Maßnahmen sollen an der Form der direkten und indirekten Besteuerung und durch Zwangswaren erfolgen. Das Vorhaben, zuerst die Höhe der Kapitalbildung festzusetzen, und danach die Formen des Sparens zu wählen, bedeutet, wie Prof. Erhard vor kurzem sagte, „das Pferd am Schwanze aufzäumen“. Richtig ist der umgekehrte Weg.

Man kann nicht dem „Sparerstreik“ durch Zwangssparen entgegenwirken, Hierdurch würde man die Lage verschlimmern und die hier und da festzustellenden. Erholungstendenzen in der Spartätigkeit untergraben. Hierauf haben auch die verschiedenen Referate auf der Düsseldorfer Tagung der Arbeitsgemeinschaftdeutscher Sparkassen- und Giroverbände and Girozentralen mit allem Nachdruck hingewiesen.

Sparen ist freiwilliger Konsumverzicht für den Augenblick, um später die Rücklagen in Anspruch nehmen zu können. Voraussetzung ist Stabilität der Währung und der Preise. Soll aber das Sparen erzwungen werden, so sieht der Einkommensbezieber darin nur eine Lohn- und Gehaltssenkung. Eine wesentliche Voraussetzung des Sparens ist ferner das unbestrittene Eigentumsrecht des Sparers an seinem Kapital und das uneingeschränkte Verfügungsrecht über die zurückgelegten Beträge. Nach den trüben Erfahrungen des deutschen Volkes mit der Methode des „freiwilligen Zwanges“, oder der „erzwungener Freiwilligkeit“ muß man alles von ihm fernhalten, was anderartige Maßnahmen auch nur erinnert. Zwangssparen ist noch schlimmer als das „Eiserne Sparen“, bei dem die formale Freiwilligkeit nicht ganz aufgegeben worden war. Eine Kombination von Zwang und Freiwilligkeit würde das freiwillige Sparen verhindern, wie eine Auszahlungssperre Einzahlungen unterbindet.

Die Spartätigkeit wird trotz aller schweren Enttäuschungen wieder zunehmen, wenn die Rückgewinnung des Vertrauens durch eine möglichst weitgehende Wiedergutmachung an den von der Währungsreform besonders betroffenen Sparern erleichtert, die Steuerlast gesenkt und den Sparwilligen eine weitere Steuervergünstigung gewährt wird. Auch der Zinssatz spricht eine größere Rolle, als vielfach angenommen wird. In Düsseldorf wurde in Aussicht gestellt, daß der Zinssatz für die Ausgleichsforderungen an die Länder möglicherweise von 3 auf 4 1/2 v. H. erhöht werden soll, wodurch auch eine Heraufsetzung der Habenzinsen möglich wäre. Jedenfalls soll man auf dem sehr empfindlichen Geld- und Kapitalmarkt nicht den Zwang einführen, den man sonst in der Wirtschaft mit Recht abbauen will und muß. Von dem Sparwillen, den man fördern und dicht weiter beeinträchtigen darf, hängt die Kapitalsbildung ab, eines der wichtigsten Probleme der deutschen Wirtschaft.

ew.